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Metapherngeschichten

Eisstern

 


Das Kätzchen findet ein neues Zuhause

 
Es war einmal ein kleines graues Kätzchen, das wohnte zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in einem Haus in der Nähe eines Waldes. Das Kätzchen war noch sehr jung, vielleicht 12 Wochen alt - ein neugieriges, aufgewecktes Fellbündel, das am liebsten tobte, fangen spielte und seine Umwelt erkundete.

Und so kam es, dass es eines Tages auf dem Küchentisch eine Plastikschale mit Kirschtomaten entdeckte. Zunächst schnupperte es daran. Dann setzte es vorsichtig die Pfote auf eine dieser roten Kugeln um sie herauszuangeln. Dabei kippte der Plastikbehälter um und die Tomaten kullerten heraus. Ein wenig erschrak es sich, doch dann fand es diese roten Wunderkugeln sehr lustig und fing an, damit Fußball zu spielen. Es lief und sprang, bremste um gleich darauf wieder loszuschießen... und übersah völlig die grünblaue Vase mit dem Strauß gelber Chrysanthemen auf dem Tisch. Schon war es geschehen: es sah wie die Vase umkippte, hörte das Zersplittern von Glas und spürte wie ein Schwall kaltes Wasser über seine Pfötchen floss. 

Mit einem Satz sprang es herunter und versteckte sich in der hintersten Ecke der Küche. Wie erstarrt saß es dort, sein Herz klopfte ganz laut. Immer mussten ihm die Missgeschicke passieren; nie konnte es etwas richtig machen, dachte es. (Metamodellverletzung: Verallgemeinerung) Es hoffte, dass niemand den Knall gehört hatte, aber schon öffnete sich die Küchentür. Schwere, spannungsgeladene Musik drang an sein Ohr und es ängstigte sich noch mehr. Noch bevor es ihn sah, roch das Kätzchen die Zigarette. Immer näher kam der Geruch und schnapp, hatte der Vater sich das Kätzchen geangelt. Ganz fest hielt er es und blickte es wutschnaubend hinter dicken Brillengläser an und schimpfte drauf los: Es sei nun genug, das Kätzchen habe schon zuviel im Haus kaputt gemacht. Die Vase wäre ein altes Erbstück seiner Großmutter gewesen. Er wolle das Kätzchen nie wieder sehen! Dann nahm er es, noch immer fest in seiner Hand gefangen, verließ das Haus und brachte es tief in den Wald. Dort setzte er das Kätzchen auf die Erde und entfernte sich schnellen Schrittes.

Das Kätzchen war ja noch klein und nie weit weg vom Haus gewesen. Es war schon dunkel draußen, ein nasskalter Februarabend. Es hatte fürchterliche Angst und versteckte sich nahe der Wurzeln eines Baumes. Dort saß es und dachte über sein Zuhause nach, das es gerade verloren hatte und wieso es so tollpatschig war. Es träumte von einem Ort, wo es glücklich und frei spielen könnte, wo es geliebt würde und für immer bleiben dürfte, selbst wenn ihm mal etwas kaputt ging. Doch so schnell fiel ihm nichts ein, weder wohin es gehen könne noch was es dafür bräuchte, um dorthin zu kommen. (SCORE)

Als es dort so kauerte, hörte es plötzlich ein Flüstern in der Dunkelheit. Zwei Elstern näherten sich ihm und sprachen es an: „Du fragst Dich jetzt wohin Du gehen sollst. Noch weißt Du nicht, wo Dein Weg ist, und Du siehst den Mond am Himmel und spürst den Schneematsch unter Deinen Pfoten und Du hörst die Geräusche der Nacht, das Knacken der Äste und das Pfeifen des Windes und vielleicht denkst Du dabei (VAK-Trance): „Ich bin nicht klein und dumm. Ich bin ein aufgewecktes kleines Kätzchen, das seinen Weg finden wird. Überlege, was Du wirklich willst!“ (Eingebettetes Zitat und Aufforderung)

Und das Kätzchen dachte darüber nach, was es wirklich wollte. Ein warmes Haus sollte es sein, mit Menschen, die es lieben und ihm das Gefühl geben, willkommen zu sein. Wo es spielen und schlafen dürfe, und frei kommen und gehen. Dort wollte es ohne Angst ganz selbstverständlich sein kleines Katzenleben leben. Es wollte mit einem vollen Bauch einschlafen, satt und zufrieden. Und bald, ja noch bevor alle Knospen aufgesprungen wären, wollte es dieses finden. Es spürte instinktiv, dass es nur begrenzt viel Kraft haben würde, die kalten Tage draußen zu überleben. (SMARTes Ziel)

Die Elstern konnten ihm leider auch nicht sagen, wo es so ein Zuhause finden könnte. Sie lebten ja nun einmal draußen und kannten die Menschen nicht so genau. Allerdings gäbe es in den Bergen einen grimmigen aber weisen alten Löwen, der könnte dem Kätzchen bestimmt weiterhelfen. Bei dem Gedanken daran, einem riesengroßen Löwen gegenübertreten zu müssen, verzagte es. Niemals würde es den Mut aufbringen, furchtlos mit dem Löwen zu sprechen. Sicher würde es sofort wieder erstarren, so wie es dies immer tat, wenn es Angst bekam. Da meinten die Elstern, stell Dir vor: „Du bist ein großer starker Tiger! Schau Dir an, wie Du mit dem Löwen sprichst. Spüre, wie er Respekt vor Dir hat. Höre seine freundliche Stimme. Nun stell Dir mal vor, Du wärst schon dort. Du hast Mut und Energie. (New Behavior Generator) Und damit Dir der Löwe ganz sicher nichts tut, geben wir Dir diesen Schlüssel mit. Den hat er uns mal geschenkt, als Dank dafür, dass wir sein Leben gerettet haben. Wenn Du Dich vor ihm fürchtest, denk an den Schlüssel. Dir kann nichts passieren.“ (Anker)

Und so machte sich das Kätzchen auf den Weg zum weisen Löwen in den Bergen. Tagelang lief es durch den Wald, immer weiter bergauf. Wann immer es nicht mehr weiter wusste flogen die Elstern über ihm am Himmel entlang und zeigten so die Richtung an, in die es gehen musste. Es ernährte sich von kleinen Käfern und trank geschmolzenes Schneewasser. So richtig gut konnte es noch nicht Jagen und die meisten kleinen Tierchen hielten auch noch Winterschlaf. Und so erklomm es zunehmend hungrig und schwach den immer steiniger werdenden Weg, vorbei an einem pelzigen, graugrünen Kaktus, vorbei auch an einem tiefschwarzen See, bis es die Höhle fand, von der ihm die Elstern erzählt hatten.

Ganz vorsichtig schlich sich das Kätzchen heran, blickte in die Höhle hinein, ob es den Löwen sehen konnte. Da lag er, träge und sah Furcht erweckend aus. Doch bevor es wieder verschwinden und sich verstecken konnte, hatte der Löwe es schon entdeckt. Er riss sein muffig riechendes Maul auf und fletsche mit den Zähnen. Schon hatte er seine Pfote auf dem Kätzchen, um es mit einem Biss verschlingen zu wollen. Wieder war das Kätzchen gefangen. Sein Herz flatterte, sein Schnäuzchen war vor Aufregung ganz trocken und es fühlte sich dem Löwen ausgesetzt und gelähmt. Doch dann erinnerte es sich an den Schlüssel und begann ganz schnell auf den Löwen einzureden. Es zeigte ihm den Schlüssel, sodann ließ der Löwe von dem Kätzchen ab.

Der Löwe erkannte sofort, dass dies der Schlüssel war, den er einst den Elstern geschenkt hatte, als Dank dafür, dass sie ihn vor einem Jäger gewarnt hatten. Den Elstern war er bis heute noch dankbar und wenn diese ihm das Kätzchen schickten, so musste er auch diesem gegenüber freundlich sein. So erzählte das Kätzchen woher es kam und wovon es träumte. Der Löwe dachte ein wenig nach und schaute dabei immer wieder vom Kätzchen zum Schlüssel und zurück. (Anker verschmelzen mit Augenbewegungen) Dann fiel ihm ein freundlicher Physiker ein, der Tiere über alles liebte und ihnen ein Zuhause gab. Noch einige Tage würde es gehen müssen, die andere Seite des Berges hinunter.

Dort lief es dann über weite Felder auf denen die ersten Frühlingstulpen blühten. Als es zu dem Haus kam, von dem der Löwe gesprochen hatte, kündigte ein Frosch mit lautem Quaken sein Kommen an. Der Physiker, ein zurückgezogen lebender Mensch dessen Herz der Wissenschaft und den Tieren galt, setzte seine Tasse Milchkaffee ab, ging vor die Tür und schaute nach, was das für ein lautes Gequake nun sei. Da sah er das ausgemergelte schmutzige kleine Kätzchen, dessen kraftloses Miauen kaum zu hören war. Er nahm es mit ins Haus, gab ihm ein wenig Wasser und kleine Bröckchen Thunfisch. Dann setze er das Kätzchen auf seinen Schoß, setzte sich mit ihm an den Tisch, nahm seine lindgrüne Tasse wieder in die Hand und trank seinen mittlerweile kalt gewordenen Kaffee aus und aß einen grünen Apfel. Dabei streichelte er ganz sanft über das struppige Fell des kleinen Kätzchens. Das Kätzchen aber rollte sich ein, schnurrte und fand endlich tiefen inneren Frieden. Es wuchs und gedieh, and kam zu Kräften. Nachts schlief es auf einem dicken moosgrünen Kissen, tagsüber spielte es wieder. Nach einigen Tagen, an einem warmen Frühlingstag, ließ der Physiker es auch raus in den Garten. Das Kätzchen hörte die Vögel zwitschern und sah junge Kaninchen auf den Wiesen ums Haus herum hoppeln. Bald spielte es mit und fühlte sich energiegeladen und frei. Endlich durfte es ein neugieriges kleines Katzenkind sein. Ab und an zerbrach noch etwas. Aber niemals wurde der Physiker darüber ärgerlich. Er wusste, auch Katzenkinder müssen üben, Fehler machen und daraus lernen. „Du machst das sehr gut! Trau Dir ruhig noch mehr zu!“ (eingebettete Aufforderung), sagte er dann. Und das Kätzchen spürte sich voll und ganz angenommen, so wie es war, und schnurrte dem Physiker zum Dank stundenlang ins Ohr.

 

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