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Metapherngeschichten

Eisstern

 


König Trübsal

Es war ein mal vor langer, langer Zeit, da lebte ein König namens Aragor auf der Insel Neptunia.

Das Leben hätte für ihn ganz wunderbar sein können wäre da nicht der Fluch des Teufels gewesen, der ihn daran hinderte, Freude zu empfinden oder zu lachen.
So kam es, dass er die Kälte in seinem Herzen, die er kaum ertragen konnte, aus dem fröhlichen Herzen eines Kindes zog, um so die Kälte in seinem Herzen zu lin­dern.

Die Kälte in seinem Herzen war so groß, dass sie allmählich auch die schöne Insel Neptunia veränderte:  Das Klima wurde allmählich kälter und der einst so schöne sonnige Palmenstrand verwandelte sich in eine trostlose Steinwüste, wo nur noch Flechten und Steinpflanzen vegetieren konnten.

Und so geschah es dass König Aragor nach der schönen Bäuerin Kalanda und ihrem Sohn Frolin schickte, von dem man sagte, dass er ein besonders fröhliches und of­fenherziges Kind sei.

Kalanda, die die Veränderung auf der Insel wohl bemerkt hatte, vermutete nichts Gutes in der Botschaft des Königs und so beschloss sie ihren Sohn in den hohen Bergen der Insel in einer abgelegenen Höhle zu verstecken und zunächst allein zu dem König zu gehen.

Als der König aber sah, dass Kalanda sich seinem Befehl widersetzt hatte, fragte er sie mit gebieterischem Ton: „Bäuerin, wo ist Dein Sohn ? – Habe ich Dir nicht befoh­len, mit deinem Sohn bei mir zu erscheinen ?“

Kalanda erstarrte. Die Herzenskälte des Königs ließ ihr fast das Blut in den Adern gefrieren. Der Hals schnürte sich ihr zusammen und sie hatte das Gefühl als hätte sie einen riesig großen Kloß im Hals. Kalanda wollte etwas sagen, doch es ging nicht. Sie stand da wie gelähmt und große Ohnmacht stieg in ihr auf.

Weil Kalanda einfach nur dastand und nicht die Frage des Königs beantwortete, wurde dieser sehr wütend und er schrie: Bäuerin, wo ist dein Sohn, den ich dich ge­heißen habe, mitzubringen ?“
In Kalanda stieg Panik auf, denn sie brachte noch im­mer keinen Laut hervor. Sie schüttelte nur den Kopf und wich ein paar Schritte zu­rück. „Werft die Bäuerin in den Kerker, auf dass sie sich besinne !“ befahl daraufhin der König. Zwei Wachen ergrif­fen die arme Bäuerin und zerrten sie in das dunkle Verlies des Schlosses.
Dort roch es etwas muffig und in der Dunkelheit konnte sie nur das gleichmäßige Trommeln ihres Herzens hören.

Große Verzweiflung machte sich breit in der armen Kalanda und sie machte sich Vorwürfe, warum sie sich nicht besser vor dem König verteidigt hatte. Und als sie an ihren kleinen Sohn in der Felsenhöhle dachte überkam sie eine große Panik.

Da wurde es plötzlich hell in dem Verlies und aus dem Nichts erschien eine kleine Fee in einem strahlend hellen Gewand. Sie sagte: „verzweifle nicht, denn alles was du brauchst ist in dir !“

Kalanda, noch ganz geblendet von der hellen Erscheinung der Fee konnte gar nicht glauben was sie da soeben gehört hatte. „Wie soll das gehen ?“ fragte sie. „Wie soll ich das denn anstellen, dass ich wieder hier raus komme ?“ –  „Wenn du eine Fee bist, kannst Du mich nicht einfach hier herauszaubern und mich mit meinem Sohn in Sicherheit bringen?“ 
„Das würde ich ja gerne tun“ sagte die Fee, „aber ich bin nur eine kleine Fee. Meine Zauberkraft reicht dazu nicht aus.    Wenn wir uns aber zusammentun, dann kann ich dir zeigen welche magischen Kräfte in dir stecken. Dann können wir ge­meinsam versuchen Dich aus diesem Kerker zu befreien.“

Und so kam es, dass sich die Fee zu ihr setzte und sich die Geschichte von Kalanda erzählen ließ. Und als sie zu der Stelle kamen, wo Kalanda ihr schilderte, dass sie beim König keinen Ton hervorbringen konnte, fragte die Fee, ob sie denn eine Vor­stellung hätte, warum sie beim König keinen Ton über ihre Lippen gebracht hatte. Nach kurzem Zögern sagte Kalanda, dass dies sicherlich mit der Angst zu tun hatte, die sie vor dem König spürte. –  Angst etwas falsches zu sagen. Etwas beschämt fügte sie noch hinzu, dass sie doch nur eine arme Bäuerin sei, die es nicht gewohnt ist, wichtige Reden zu halten – schon gar nicht vor einem König. Sicherlich hätte Ihr Schweigen auch damit zu tun, dass sie sich dem wortgewaltigen König nicht ge­wachsen fühlte.

Auf die Frage, was Kalanda sich denn in dieser Situation wünschte, sagte sie mit leuchtenden Augen: „ich wünsche mir, dass ich bei meiner nächsten Unterredung mit dem König brillant argumentieren kann, damit er mich und meinen kleinen Frolin in Frieden weiter leben lässt.“

Auf die Frage, was sie denn dafür benötige antwortete die arme Bäuerin, dass Ihr eigentlich nur die Selbstsicherheit fehle. Denn zu Hause in ihrem Dorf sei sie bekannt für ihren klaren Verstand und ihre Überzeugungskraft.

„Nichts leichter als das“ sagte die kleine Fee. „Vertraue dir und du wirst sehen, wie viel Macht du besitzt“. „Bitte folge einfach nur meinen Anweisungen und du wirst se­hen, wie einfach es ist, sich in einen guten kraftvollen Zustand zu bringen“.
Und so kam es, dass sich Kalanda von der kleinen Fee in die Vergangenheit verset­zen ließ, wo sie sich kraftvoll und überlegen fühlte. Sie war ganz erstaunt wie einfach das ging, sich an die Bilder, die Gefühle, die Klänge und die Gerüche zu erinnern, welche sie damals wahrgenommen hatte. Mit großer Freude bemerkte sie wie sich all das in ihr selbst in dem dunklen Kerker verstärkte. Und die Fee sagte: „Der Zauber ist nun wieder in dir und du kannst ihn jeder Zeit wieder aufrufen“. „Ich verwandle dafür deine Hand in eine Zauberhand, die es dir ermöglicht, diese Gefühle an einen Ort an deinem Körper zu zaubern. Wenn du sie wieder brauchst, berühre nur diese Stelle und du wirst sehen wie die Gefühle dir wieder zur Verfügung stehen.  Und nun denke an dein nächstes Gespräch mit dem König und stelle dir genau vor wie du ihm genau so wie du dir das wünschst rede und Antwort stehst. Genieße es und wenn es nichts mehr gibt, was es dabei zu berücksichtigen gibt, dann bist du bereit für dein nächstes Gespräch mit dem König.

Kalanda fühlte nun die Kraft, die in ihr wuchs und als die Wachen den Kerker betra­ten um sie zu holen, schaute sie mit Gelassenheit den kommenden Ereignissen ent­gegen.

Als sie nun vor dem König stand, fragte dieser barsch: „Nun Bäuerin, ich nehme es dir nicht ab, dass du stumm bist wie ein Fisch !“ –  „Wirst du mir nun sagen, wo sich dein Sohn befindet ?!“

Daraufhin sprach die Bäuerin mit fester Stimme: „Herr, ich sehe Euren Schmerz und Eure Traurigkeit. In den langen dunklen Kerkertagen habe ich mich in Euch hinein­versetzt und habe Verstanden, dass ihr Euch in einer großen Not befindet. Doch das was Ihr verlangt, kann ich Euch nicht geben.“  „Es steht Euch frei über mich zu rich­ten. Doch gewährt mir vorher eine Bitte und hört, wie es alter Brauch in diesem Lande, zuvor den alten Seher.“

Der König war verblüfft von der Verwandlung der armen Bäuerin: Sie füllte den Raum mit einem hellen Licht und wie schon lange nicht mehr spürte er eine leichte Wärme in seinem Herzen entstehen. Er gewährte Kalanda also ihre Bitte und rief nach dem Seher, den er nicht mehr zu sich gerufen hatte seit der Teufel ihn verzaubert hatte.

Der Seher war ein weiser alter blinder Mann, der den König schon seit dessen Kin­destagen kannte. Als er nun erschien erhob er alsbald seine Stimme und sprach: „Herr ich kenne Euch seit Euren Kindertagen, als noch Euer Vater diese Königreich regierte. Lasset mich Euch daher folgenden Rat geben: Glaubt nicht an den Teufel, denn in Wirklichkeit gibt es ihn nicht. Es sind vielmehr die inneren Bilder in Euch, die Eure Gefühle bestimmen

.
Wenn Ihr die Wärme und die Freude in Eurem Herzen wieder haben wollt, so braucht Ihr nur eure Sichtweisen verändern; dann verändern sie auch Euer Denken, Wahr­nehmen Fühlen und Handeln. – Und damit Ihr meine Worte besser versteht lasst mich diese kleine Weise spielen, die Euer Vater an Eurer Wiege zu spielen pflegte.“ Und so zückte der Seher seine kleine Flöte und spielte ein zartes Wiegenlied.

Als der König das hörte tauchten plötzlich die schönen Bilder seiner fröhlichen Kind­heit wieder in ihm auf. Er spürte wieder die Liebe seiner Mutter, wie sie nur eine Mutter zu geben vermag und er schämte sich für seine vergangenen Taten. Da er­kannte er dass es wirklich keinen Teufel gab und dankte dem Seher für seine weisen Worte.

Die Bäuerin schickte er nach Hause denn von nun an musste er nicht mehr den Kin­dern die Fröhlichkeit aus dem Herzen ziehen.

Als Zeichen für die Genesung des Königs wurden tausend weiße Tauben fliegen gelassen, so dass sich im Königreich die Botschaft von der Genesung des Königs wie ein Lauffeuer verbreitete.

Und so lebten sie denn weiter bis an ihres Lebens Ende.

     

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