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Metapherngeschichten

Eisstern

 


Das Bärenmädchen Luna auf der Suche nach der Wüste

Es war einmal ein kleines Bärenmädchen namens Luna, das lebte mit seiner Mutter und seinem Bruder in einer dunklen, kleinen Höhle inmitten eines großen Waldes. Der Wald lag am Fuße eines weitläufigen Gebirges und dem Bärenmädchen Luna schien es, als sei es in dieser Gegend immer kalt. Ob Winter oder Sommer, der Wald war stets finster und kalt.

Es gab das ganze Jahr viel zu tun. So mussten Früchte gesammelt werden, Honig gesucht und Feuerholz, um die Höhle warm zu halten.

Eines Abends lag Luna völlig erschöpft auf ihrem Schlafplatz. Die Mutter und der Bruderbär waren bereits eingeschlafen. Doch Luna konnte noch nicht schlafen. Sie hatte den ganzen Tag wieder Futter und Feuerholz gesammelt, um ihre Mutter zu unterstützen. Ihr Bruder war ja der Jüngere, so musste Luna helfen. Wie viel lieber hätte sie oft mit anderen Bärenkindern gespielt oder wäre gerne im hohen Gras den Bienchen nachgesprungen oder hätte im Winter versucht die Schneeflocken einzufangen oder einfach die kleinen Wölkchen am Himmel beobachtet. Aber dafür war keine Zeit. Schließlich brauchte ihre Mutter wirklich jede Unterstützung und ihr Brüderchen brauchte auch jemanden, der sich um ihn kümmerte und ihm die wichtigen Dinge übers Früchtesammeln, Feuerholzbeschaffen und Honigsuchen beibrachte. Es gab so viel zu tun, dass Luna nur am späten Abend dazu kam, heimlich ein wenig zu träumen.

Luna träumte von einem Land, in dem es immer warm war und das so viel bunter und fröhlicher war, als diese kleine dunkle Höhle in diesem großen, finsteren Wald am Fuße des riesigen, ewig kalten Gebirges.

Luna fror. Sie lag da und dachte nach. Das Feuer war schon heruntergebrannt, so dass nur noch die Glut ein schwaches Licht in der Höhle verbreitete.

Luna musste an ihren Vater denken. Manchmal fehlte er ihr besonders doll.

Es schien ihr schon eine Ewigkeit her, dass sie mit ihrem Vater an diesem besonders kühlen Tag im Spätsommer auf der Honigsuche durch den Wald streifte. Ihr Vater erzählte ihr eine Menge über die Honigsuche und Luna lauschte seinen Geschichten mit großen Augen. Zwischendurch tollten sie beide herum und kugelten sich zusammen über den weichen Moosboden.

Schon oft hatte er ihr erzählt, dass es in bestimmten Zeiten Menschen im Wald gebe, die auf Bärenjagd gingen und mit komischen Stöcken, die sie Gewehre nannten, Bären erlegten. Doch nie hatte sie geglaubt, dass es einst ihrer Familie passieren könnte. Es war ein furchtbares Erlebnis und sie wollte am liebsten gar nicht daran zurückdenken.

Doch nun lag sie in der dunklen Höhle auf ihrem Schlafplatz und die Erinnerungen kamen zurück. Sie schüttelte sich. Nein, daran wollte sie jetzt nicht denken. Nicht heute. Schließlich war morgen ein aufregender Tag. Sie war nun groß genug und wollte die Höhle verlassen, um sich ein eigenes Heim zu suchen. Wie lange schon hatte sie sich auf diesen Tag gefreut. Und morgen sollte es nun soweit sein. Sie malte sich aus, wie es werden würde. Sie wollte auf jeden Fall in eine warme, farbenfrohe Gegend ziehen und dort endlich all die Dinge tun, für die sie hier nie Zeit gehabt hatte.  Oh ja, darauf freute sie sich wirklich! Sie drehte sich zur Seite, schloss die Augen und schlief mit einem wohligen Gefühl ein.

Am nächsten Morgen wurde Luna früh von ihrer Mutter geweckt. Vor ihrem Auszug sollte sie noch genügend Feuerholz, Früchte und Honig für die nächsten Tage sammeln und die Höhle noch einmal auskehren. Sie machte sich sogleich an die Arbeit und war noch schneller fertig, als sie es schon sonst immer war.

Die Bärenmutter war gar nicht froh über die Pläne ihrer Tochter. Sie fühlte sich im Stich gelassen und gab Luna dafür die Schuld. Luna plagte schon lange ein schlechtes Gewissen deswegen, jedoch wollte sie unbedingt endlich in eine eigene Höhle in einer warmen Gegend ziehen. Sie versprach ihrer Mutter sie so oft zu besuchen, wie es nur möglich war. Doch die Bärin war tief traurig und zog sich ohne Abschiedsworte in die Höhle zurück.

So drückte Luna nur ihren kleinen Bruder und machte sich schnell auf den Weg. Sie blickte nicht zurück, sondern lief einfach los, sie rannte und rannte  so schnell ihre Beinchen sie trugen.

Als es bereits anfing zu dämmern, verließen sie ihre Kräfte und sie musste ihr Tempo verlangsamen und blickte sich zum ersten Mal um.

In dieser Gegend war sie noch nie gewesen. So weit weg von zu hause! Der Wald war größer als sie vermutet hatte. Auf einer kleinen Lichtung blieb sie erschöpft stehen. Es war schon beinahe ganz dunkel und Luna begann, sich zu fürchten. Noch nie war sie nachts außerhalb der Höhle gewesen. Die großen, dunklen, schattigen Umrisse der Bäume, die Geräusche der Nachttiere, all das jagte ihr Angst ein.

Warum war sie nur fort gegangen? Und ihre arme Mutter. Sie musste sich nun ganz allein um sich und Lunas Bruder kümmern. Warum war sie nur so egoistisch gewesen und einfach weggegangen? Hatte ihre Mutter es nicht so schon schwer genug gehabt? Luna machte sich schwere Vorwürfe. Am besten wäre es, sie ginge sofort zurück. Ja, das ist für alle die beste Lösung. Sie drehte sich um.

War sie von dort gekommen? Oder von dort? Es war so dunkel, sie konnte einfach nichts erkennen. Was sollte sie jetzt nur tun?

Luna ließ sich auf das weiche Moos fallen.

„Okay“, dachte sie, „dann werde ich morgen zurückgehen. Gut. ……

Aber will ich das wirklich? Möchte ich meinen Traum von einer eigenen Höhle in einer warmen Umgebung aufgeben?

Nein! Das will ich wirklich nicht.

Aber was ist, wenn es ein solches Land gar nicht gibt? Oder wenn ich es nie finde? Woher soll ich wissen, wo ich suchen muss? Wie werde ich es ganz alleine schaffen?“

Plötzlich hörte Luna ein Knacken dicht neben sich in einem Gebüsch. Sie schrak heftig zusammen.

„Hallo?“, brummte sie ängstlich, „Ist da jemand?“

Es raschelte heftig in dem Busch  und auf einmal kam ein kleiner, zerzauster Spatz aus dem Gebüsch geflattert.

„Guten Abend, kleine Bärin! Was machst du denn so weit entfernt von deiner Heimathöhle?“

Luna sah den kleinen, zotteligen Vogel erstaunt an. „Ich bin auf der Suche nach einer wärmeren Gegend, wo ich mir eine eigene Höhle einrichten möchte. Aber woher weißt du, wo ich herkomme?“

„Oh, ich habe dich schon oft gesehen und dir jedes Mal auch etwas zugezwitschert. Doch warst du immer so beschäftigt, dass du mich nicht bemerkt hast. Ich heiße übrigens Zausel. Und du bist Luna, richtig?

Sag, Luna, warum bist du so traurig?“

Vor Überraschung über den kleinen Besucher hatte Luna ihre eigentlichen Sorgen ganz vergessen. Nun erzählte sie jedoch von ihrem Traum und dass sie auf einmal gar nicht mehr wisse, ob das alles überhaupt umzusetzen sei.

Der kleine Zausel sah sie nachdenklich an. „Erzähle mir doch noch einmal genauer, was dein Ziel ist.“

Luna war ganz erstaunt über das ganze Interesse. Sie hatte noch nie von ihren Zielen erzählt. Und nun war da ein kleiner Spatz und wollte auch noch ‚Genaueres’ darüber erfahren. Sie dachte eine Weile nach und merkte, dass sie sich so konkret noch nie Gedanken darüber gemacht hatte. Sie wusste nur, dass sie in eine warme, bunte Gegend ziehen wollte. Das alles berichtete sie Zausel.

„Erzähle mir doch einmal, was du an deinem Zielort genau siehst, hörst und fühlst, wenn du dir das so vorstellst.“, sagte Zausel.

Luna starrte Zausel verständnislos an. Wurde sie grade tatsächlich dazu aufgefordert, zu träumen, sich ihrem Ziel in Gedanken voll und ganz zu widmen? 

Ja, tatsächlich. Da war ein kleiner Vogel, den das wirklich zu interessieren schien!

Luna schaute in die dunklen Baumkronen und fing an zu erzählen:

„Ich sehe mich dort umgeben von einer weiten Wüste. Es gibt dort so viele unterschiedliche Farben, wie ich sie noch nie auf einmal gesehen habe. Manche Hügel leuchten in lila, andere Hänge sind glutrot und wieder andere kleinen Berge sind Honiggelb. Inmitten der Wüste ist eine große, grüne Oase mit einem kleinen See und lauter Felshügeln zum Herumtoben. Es gibt dort die saftigsten Früchte und ungewöhnlichsten Tiere. Dort ist es kuschelig warm. Ich würde dort ganz neue, fremdartige Vögel und andere Tierstimmen hören und den Wind in den Bäumen der Oase. Ich fühle mich dort pudelwohl, so ein warmes Gefühl im Bauch und spüre ein vor Lebensfreude und Neugier angenehmes Zittern in mir. Ich fühle mich ganz leicht und weit.“

Zausel lächelte zufrieden. „Wie fühlst du dich jetzt, Luna?“

„Hach!“, sagte Luna, „Ich könnte sofort loslaufen!“

Zausel lachte. „Nun ruh dich erst einmal aus. Morgen ist auch noch ein Tag! Ich werde jetzt auf jeden Fall schlafen.“

Mit diesen Worten steckte Zausel seinen Kopf unter den Flügel und schlief ein.

Erst jetzt merkte Luna, wie müde auch sie, trotz aller Aufregung, war. Sie rollte sich zusammen und war eingeschlafen, noch ehe sie es sich richtig gemütlich gemacht hatte.

Am nächsten Morgen erwachte Luna durch einen warmen Sonnenstrahl, der sie an der Nasenspitze kitzelte. Sie öffnete die Augen und sah sich um. Sie brauchte eine Weile bis sie die Lichtung wieder erkannte und die Erinnerungen vom gestrigen Tag zurückkehrten.

Wo war der kleine Spatz namens Zausel? Hatte sie all das nur geträumt?

Sie suchte die Lichtung nach ihm ab. Aber kein zotteliger Zausel-Spatz war zu sehen.

Was nun? Luna dachte an ihr schönes Ziel und wollte sich trotz allem auf den Weg machen. Aber wohin? Sie blickte sich um. Da entdeckte sie einen kleinen Pfad zwischen den Bäumen, der von der Lichtung fort, tief in den Wald hinein führte. Sie entschloss sich, auf diesem Weg ihre Reise fortzusetzen. Frohen Mutes sprang sie los und schlug gleich ein paar Purzelbäume. Oh, wie machte das Spaß!

Nach einem Tag, an dem sie im dichten Geäst nur bergauf gekraxelt war, endete der Wald jäh und vor ihr lag ein weitläufiges, flaches, steiniges Gebirge, das sich bis zum Horizont erstreckte. Ungläubig starrte Luna auf diese graue Landschaft und mit einem Schlag war all ihre Freude und Zuversicht wie weggeblasen.

Wie sollte sie das jemals schaffen? Wo war ihre schöne Wüste?

Mutlos sank sie zu Boden. Sie war so erschöpft und wollte nicht mehr weiter. 

„Wäre ich doch nur zuhause geblieben. Ich werde mein Ziel nie finden.“

Mit diesen Gedanken schlief Luna tief und fest ein. Sie träumte von Zausel. In ihrem Traum flog er zu ihr und setzte sich neben sie.

„Was ist los?“, fragte Zausel im Traum.

„Ach,“ seufzte Luna, „ich bin so mutlos!“

„Ich sehe, dass du mutlos bist.“ sagte Zausel sanft.

„Und ich sehe, dass du auch voller Mut, Stärke und Zuversicht bist!

Und ist es nicht schön zu wissen, dass du beides gleichzeitig genießen kannst?“

Luna lächelte und schlief weit in den nächsten Morgen hinein.

Als sie erwachte, fiel ihr der Traum ein. Was hatte das zu bedeuten? So ein Quatsch!

Sie dachte eine Weile darüber nach. Dann lachte sie. „Beides,“ rief Luna, „beides bin ich und beides kann ich genießen!“

Sie lachte und lachte und ließ sich den Hang herunterpurzeln.

Das graue, flache Gebirge lag vor ihr und sah kein Stückchen einladender aus, als am Abend zuvor. Und doch musste sie lachen und war fröhlich und lief einfach los.

Nach einigen Wochen kam sie an einen Fluss. Neugierig betrachtete sie sich die Fische, die darin herumtollten und ihren Spaß hatten.

Luna hatte mittlerweile wieder überhaupt keinen Spaß mehr an ihrer Reise. Seit Ewigkeiten wanderte sie nun schon durch diese öde, graue Landschaft. Und sie fragte sich wieder immer mehr, ob das alles überhaupt einen Sinn habe.

„Ach, wenn ich doch nur wüsste, wo es zur Wüste geht.“, sagte sie traurig.

„Warum fragst du denn niemanden?“, kam plötzlich eine Stimme aus dem Bach.

Erstaunt blickte Luna einen Fisch an, der vor ihr im Wasser schwamm.

„Ich weiß nicht.“, sagte Luna zögernd. „Ich war wohl so sehr mit mir selbst beschäftigt und musste bisher immer alleine zu Recht kommen und mich um alles selbst kümmern. Weißt DU denn, wo die Wüste ist?“

„Ich habe davon gehört.“, sagte das Fischlein. „Ich selbst komme dort nicht hin. Aber hinter dem Gebirge, so erzählte mir ein alter Adler, soll eine Wüste liegen.“

Luna hüpfte hoch vor Freude. „Hinter dem Gebirge schon? Das ist ja großartig!“

„Ja merkst du denn nicht, wie warm es hier schon ist?“, fragte das Fischlein.

Luna hielt verwundert inne. Es war tatsächlich sehr warm hier. Das hatte sie bei all ihren Sorgen gar nicht bemerkt.

Sie bedankte sich bei dem Fischlein und sprang sofort davon.

Wieder wanderte sie viele, viele Tage und wünschte sich, noch einmal dieses schöne Gefühl zu haben, dass sie bei ihrer Wüstenbeschreibung mit Zausel hatte.

„Ach Zausel, wie gerne hätte ich dich jetzt bei mir!“, sagte Luna, während sie dahintrottete.

„Du hast mich nie gerufen, Luna.“, zwitscherte es plötzlich hinter ihr.

Erfreut drehte sich Luna um. Und da saß Zausel auf einem Felsvorsprung.

„Zausel!“, rief sie. „Wo kommst du denn her? Ich hatte schon gedacht, du seist nur Teil eines Traumes von mir.“

„Ich war immer in deiner Nähe.“, sagte Zausel. „Was hat dich denn vorhin so traurig gestimmt?“

„Ich habe mir gewünscht, wieder dieses schöne, fröhliche Gefühl zu haben, dass ich bei meiner Beschreibung der Wüste mit dir hatte. “, erklärte Luna.

Zausel flog zwitschernd zu Luna herüber und setzte sich ins weiche Fell auf ihrem Rücken.

„Lass uns Schritt für Schritt deinen Traum noch einmal betrachten“, sagte er und ließ sich von Luna noch mal ganz genau erzählen, wie die Umgebung aussieht, wie sie sich in dieser warmen Wüste verhält, welche Fähigkeiten sie dort besitzt, warum sie dorthin möchte und welcher Wesenszug ihres tiefsten Inneren zu Tage tritt, wenn sie in ihrer eigenen Höhle in der warmen Wüste lebt.

Danach war Luna überglücklich und fühlte sich voller Elan für die weitere Reise.

Sie bedankte sich bei Zausel und verabschiedete sich, da Zausel noch nichts zum Frühstück gegessen hatte und ein paar Würmer fangen wollte.

Voller Neugierde auf die Wüste lief sie weiter.

In den nächsten Tagen kam Luna schnell voran. Es wurde immer wärmer und wärmer und der Boden immer sandiger. Vor ihr lag ein felsiger, breiter Berg.

Beim Aufstieg dachte Luna an Zausel. In den letzten Tagen hatte sie häufig nach ihm gerufen und immer war er sofort angeflattert gekommen. Sie hatten lange, herrliche Gespräche geführt und Luna war glücklich, einen solchen Freund zu haben. Zausel hatte ihr gesagt, wie stolz sie auf sich sein könne. Und das war Luna nun auch. Sie hatte eine sehr weite Strecke zurückgelegt und trotz des manchmal aufkommenden Unmutes doch nie aufgegeben.

Eines Abends hatte Zausel zu ihr gesagt: „Du bist einmalig. Du hast eine solche Stärke, einen solchen Mut und eine solche Lebensfreude in dir, dass es ein Genuss ist, in deiner Nähe zu sein!“

Luna lächelte, während sie sich an dem letzten Fels hochzog.

Wie angewurzelt blieb sie stehen. Verzaubert sah sie auf die weite Wüste, die zu ihren Füßen lag. Ein leichtes, wohliges Zittern und eine unbeschreibliche Wärme machten sich in ihr breit. Es war, als würde ihr Herz aufgehen.

Sie blickte auf eine unglaubliche Landschaft. Hunderte unterschiedlicher Farben verteilten sich im Abendlicht über der Wüste. Manche Sanddünen leuchteten lila, andere in einem warmen beige, andere orangerot und honiggelb.

Über all dem lag ein glutroter Abendhimmel und die untergehende Sonne sah aus, wie ein riesiger Feuerball. Und rechts von ihr, am Fuße des Berges, auf dem sie stand, lag eine große, grüne Oase. Von hier oben konnte sie sogar einen kleinen See sehen und lauter Palmen und saftiggrüne Büsche drumherum.

Luna ließ einen Freudenschrei aus ihrer Brust ertönen und schlug einen Purzelbaum nach dem anderen.

Es war ein warmer, sonniger Tag. Luna lag auf dem Bauch ausgestreckt vor ihrer  Höhle und beobachtete die Vöglein in der Luft, die Palmen um sie herum und die Tiere an dem kleinen See in der Oase. Neben ihr saß Zausel.

Endlich war er wieder zurück. Denn Zausel war lange unterwegs gewesen. Er war zum Wald zurückgeflogen und hatte der Bärenmutter und dem Bruderbär erzählt, dass Luna ein neues Zuhause gefunden habe und berichtete von ihrer Reise. Die Bärin hatte sich so sehr gefreut für ihre Tochter und war sehr stolz auf sie. Da die Bärin und der Bruderbär Luna unbedingt besuchen wollten, hatte Zausel die beiden zur Oase geführt. Sie konnten kaum glauben, wie schön es hier war. Nur einen Tagesmarsch zurück, gleich auf der anderen Seite des hohen Berges, hatte die Bärin eine sehr helle, freundliche, große Höhle entdeckt, in der sie nun leben wollte. Luna freute sich schon auf ihren ersten Besuch bei der Mutter.

Gedankenverloren sah sie in den blauen Himmel und genoss den warmen Wind, der über ihr Fell strich.

Sie dachte daran, wie viele Freunde sie  hier schon gefunden hatte. Zausel hatte ihr dazu eines Tages gesagt: „Luna, du bist eine so offene, freundliche, liebevolle Bärin, die man einfach gerne haben muss.“

Und sie dachte weiter an ihre täglichen Streifzüge durch ihre neue Heimat. Voller Neugierde erkundete Luna alles Unbekannte. Und jedes Mal ging ihr das Herz auf, wenn sie in der Abendsonne ein Stückchen auf den Berg stieg und die Farbenpracht der Wüste betrachtete.

Sie atmete tief ein und blickte zu Zausel rüber.

„Na? Bald geht die Sonne unter. Kommst du mit auf den Berg?“ fragte Luna.

„Na klar!“, zwitscherte Zausel zurück.

Luna sprang auf und schlug einen Purzelbaum. Strahlend blickte sie ihren Freund an. „Wer zuerst am Berg ist!“, rief sie und tobte davon…

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