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Der kleine Bärling Es
war einmal ein kleiner Bärling namens Knuddi-Kuschelweiß. Er
lebte zusammen mit seiner Familie, dem weisen Paps-Zottelbraun,
mit seinen vielen Freunden und nochmehr Spielkameraden im
Rabulgaland. Dort lebten mit ihm viele seltene Tiere in der
Nachbarschaft: große grüne Dinger, die in der Luft herumtänzelten
als ob sie gerade von diesen verbotenen Früchten genascht hätten;
gelbe unförmige Gestalten, die nachts Feuer machen konnten; rote
Knubbelbänder, die in den großen starken Baumwipfeln
schaukelten; faule, dunkle Langschläfer, die kopfüber an Ästen
hingen und den Tag bis zur Nacht verschliefen; kleine schwarze
Krabbelkullern; auch komische riesige Langhälse mit dunklen
Flecken auf dem Rücken und Beinen wie Streichhölzern und noch
viele andere ihm unbekannte tierische Vielbeiner. Das
Rabulgaland war weit über die Grenzen bekannt für die Schönheiten
der bunten Berge & Wälder, die wärmende Frische des
Lila-Meeres und seiner faszinierenden Über- und
Unterwassergesellschaft, der strahlenden Sonne auf den üppig
bewachsenen Wiesen & Feldern. Knuddi-Kuschelweiß
liebte sein Rabulgaland über alles. Er konnte sich einfach nicht
satt sehen (Visuell), wollte alles anfassen und erforschen (Kinästhetisch),
hielt seine Ohren (Auditiv) wie Antennen in alle Himmelrichtungen,
sobald er nur den leisesten Klang erhaschen konnte, pflückte
Issmich-Honigfrüchte hier und dort, um sie danach mit Geschnüffel
(olfaktorisch) und Geschmatz (gustatorisch) zu vertilgen. (Wahrnehmung/
VAKOG). Er
war ein Vier-Tatzen-Abenteurer, der gern mit rosa farbenen Fischen
aus den umliegenden Flüssen herumtollte, nach einem sportlichen
Ruderausflug in der Sonne bei einem Nickerchen alle Viere von sich
streckte, um sich dann Tatze für Tatze gemütlich fortbewegend,
genüßlich über die Früchte der vollgestopften Felder
herzumachen. Vorüberziehend an Wäldern, stapfte
Knuddi-Kuschelweiß vor sich herbrummend an blumigen Wiesen
vorbei, stupste ab und wann eine Glockenblume am Wegesrand und
freute sich, glücklich & frei zu sein. Oft,
wenn er von seinen Tagesausflügen wieder zürück im
wohlbeheizten Bärenhausen eintraf, kam es vor, das er bei
Geschichten & Märchen von Paps-Zottelbraun müde und
zufrieden einschlief, um am nächsten Morgen wieder die Welt mit
gleicher Neugier zu entdecken. Und
so vergingen die Stunden und Tage, Wochen & Monate zogen ins
Land, die Jahreszeiten wechselten ihre Farbe und der kleine Bärling
wurde größer und schwerer. Knuddi-Kuschelweiß hatte inzwischen
die Bärlingschule mit Lesen, Schreiben, Rechnen, Kraftsport und
Brummen absolivert und sich anschließend den Forschungsstudien
von Herrn Prof. num. ling. Hans-Scharzbär gewidmet, den manche
liebevoll Hans im Glück und andere auch Schwatzbär nannten.
Knuddi-Kuschelweiß hielt gern und oft ein Schwätzchen mit
Hans-Schwarzbär, lernte viel auf den Gebieten Fischen &
Gesundheit, Bergsteigen & Landwandeln. Ganz besonders hatte er
sich die MediDingsda- und AtmungsBumsda-Techniken verbärleibt und
auch noch entspannt den Master of Bear Assistent (MBA) mit „Honig“-Qualitätsprädikat
und Schwerpunkt „Universal Bear Work Life Balance“
abgeschlossen. Später
hatte Knuddi-Kuschelweiß seine geliebte Polly-Waschbär
kennengelernt, zog kurzerhand in die Stadt Irgendwo in das Land
Nirgendwo und ließ sich dort in einer Dreizimmerhöhle, mit Polly
vereint, nieder. Er hatte die lang ersehnte „Lizenz zum
Fischen“ erhalten und tat das erfolgreich mit anderen Bärlingen
zusammen. Polly und Knuddi-Kuschelweiß bekamen zwei Baby-Bärlinge
und lebten zufrieden für lange Zeit, bis sich irgendwann die Welt
im Land Nirgendwo für Knuddi-Kuschelweiß zu verändern begann… „Du
hast doch jetzt eigentlich alles, nicht wahr?“, ertappte er
immer öfter dabei, wie er sich „Ja“ sagen hörte und dabei
zeitgleich den Kopf zu schütteln begann (Inkongruenzen).
„Wenn nur dieses eigentümliche Eigentlich mich in Ruhe lassen würde“,
begann er zu hoffen. Doch dieses widerspenstige Eigentlich nistete
sich in Knuddi’s BärlingHirnsda ein, schenkte ihm Kopfschmerzen
und betöhrte seine Ohren mit TiniTumsda. Es ließ ihn schlaflos
in der Nacht, tagsüber seine Schultern hängen und den Rücken
schmerzen, so sehr, das ihn nicht einmal mehr die sonst so
geliebte Baum-Rücken-Hoch-und-Runter-Kreuz-und-Quer-Kratzmassage
erfreute und auch keine Linderung verschaffte. Knuddi-Kuschelweiß
trank nur noch fade schmeckenden Tee, der ihn an saure Äpfeln
erinnerte, die er noch nie so besonders mochte. Draussen war der
sonst so blaue Sommerhimmel plötzlich vernebelt mit dunklen
Wolken, die die Sonne wie mit einem dicken, zähen Kaugummi zu
bedecken schienen. Knuddi-Kuschelweiß war erwachsen geworden. Er
fühlte sich unruhig, machte vieles nur noch schnell & flott
und hatte irgendwie so richtig die Nase voll von allem. Verstopft
und verschleimt suchte er in seinen Träumen nach dem süßen
Hauch eines saftigen Honigbratens. Er suchte das, was ihn früher
so erfreute und begab sich auf eine ganz neue abenteuerliche
Reise, einem Ausflug ins Unbekannte, einer Reise zu sich selbst… Er
wollte sich selbst wiederfinden und machte sich auf zu jenen
Orten, an denen er früher in seiner Kindheit und Jugend glücklich
& zufrieden war, wo er sich unbeschwert und frei fühlen
konnte. ‚Ja’, sagte zu er sich selbst, ‚ich sollte ein paar
Tage Urlaub machen und nach Rabulgaland fahren’. Und so begann
er seinen Rucksack für mit einigen Kleinigkeiten zu packen und
fuhr los. Und während er so mit seinem neuen Flitzer durch Wälder
fuhr, an Wiesen mit vielen Blumen vorbei kam, die Sonne auf dem
Asphalt einen Spiegel hevorzauberte und seine Nase zu kitzeln
schien, begann sich Knuddi-Kuschelweiß zu fragen, was ihn wohl glücklich
machen könnte. ‚Was
genau fehlt mir denn? Was würde passieren, wenn morgen alles
anders wäre? Was hindert mich daran, es mir gut gehen zu lassen
und diese Freiheit wieder zu fühlen? Wie genau hängt das eine
denn mit dem anderen genau zusammen? Wer sagt denn, dass ich,
Knuddi-Kuschelweiß, es nicht auch anders machen könnte als
jetzt? Woher weiss ich denn überhaupt, wenn sich etwas verändert
hat?’ (Meta-Modell) Er
fuhr und fuhr ohne Unterlass, durch das ganze Rabulgaland, bis er
plötzlich wieder da angekommen war, wo er losgefahren war, in der
Stadt Irgendwo im Land Nirgendwo. Er ärgerte sich über sich
selbst, soweit vom Weg abgekommen zu sein und machte sich erneut
auf den Weg. ‚Ich brauchte den Rat von Paps-Zottelbraun’,
dachte er und die Vorfreude darauf schien ihn zu beruhigen. Er
hatte ihn selten besucht in letzter Zeit und war sich sicher, dass
ihn ein unverhoffter Besuch erfreuen würde. Er
hörte wieder die vertraute Stimme von Paps-Zottelbraun ‚Du
schaffst das schon!’ sagen. „Ja!“, antwortete er seinem
Tagtraum, „ja vielleicht“. Nun,
er würde mit ihm darüber reden müssen, ja, er brauchte dringend
Rat und er vermisste ihn so sehr. Aufgeregt und in Erinnerungen
schwelgend traf er endlich im Rabulgaland ein, klingelte an der Tür
und hätte Paps beim Öffnen fast umgerannt. Sie brummten bis spät
in die Nacht, tranken zusammen Honigwein und tauschten die
Neuigkeiten der vergangenen Monate aus. Knuddi-Kuschelweiß fühlte
sich wieder zu Hause, ein wohliges Gefühl, dass er von früher
kannte. Er wusste, dass er bei einem Menschen aufgenommen wurde,
der ihm viel bedeutete und er merkte, wie glücklich ihn das
allein schon machte. In
den darauffolgenden Tagen fragte er Paps-Zottelbraun viele, viele
Löcher in den Bauch. ‚Wie ein Schweizer Käse’, dachte sich
Knuddi-Kuschweiß und musste bei der bildlichen Vorstellung daran
so selbst lachen, dass es ihn regelrecht schüttelte und sein
Bauch vom Lachen wie Flumi-Bälle zu hüpfen begann. „Löcher-Käse.
Ha, wenn das so weiter geht, werde ich bald zur Maus mutieren“,
sagte er laut lachend. Er
mochte diese kleinen flinken Gespenster, die überall wie die
Wiesel herumhuschten und nachts alles anknabberten, nur um dann
pfeilschnell wieder in irgendeinem Mäuseloch zu verschwinden und
sich den Bauch vollzuschlagen. Und während er sich seiner
Phantasiewelt öffnete, kam ihm dabei eine geniale Idee. ‚Wenn
ich nun einfach die Mäuse befragen würde, ob sie glücklich sind
und wie die was wann wie genau machen, dann bekomme ich dort
vielleicht Antworten auf all meine Fragen’, dachte sich
Knuddi-Kuschelweiß. „Eine
großartige Idee!“, posaunte er freudestrahlend und machte sich
kurzerhand auf die Suche nach den kleinen Mäuselingen. Nach
einigen Stunden geduldigen Wartens traf er endlich auf Gevatter
Nase-Weiß, der ihm einen schönen Tag wünschte, glücklich und
doch etwas in Eile zu sein schien. „Halt!“,
brummte Knuddi-Kuschelweiß ihn an, erwiderte den Gruß und fragte
dann „Bitte, Nase-Weiß, ich brauche Deinen Rat.“. „Gern“,
erwiderte der ergraute Mäuserich und wandte sich dem Bärling zu.
„Stell
Dir vor, Du wärst ein Bärling. Was bräuchtest Du, um glücklich
und zufrieden zu sein?“, fragte der Bärling den Mäuserich. „Was
meinst Du?“, piepste Nase-Weiß verwundert. „Stell
Dir vor, Du wärst ich. Was würdest Du machen, um ein glücklicher
& zufriedener Bärling zu sein?“, fragte er und wartete
ungeduldig, was Nase-Weiß dazu sagen würde. „Hm, warte. Ich soll Du sein? So groß und so schwer und sooo stark? So gemütlich und ausgeruht wie ein Bärling, Knuddi? Und noch dazu so geschickt beim Fischen wie Du?“, kicherte der Winzling, überlegte dann eine Weile bevor er zu antworten begann. „Also, wenn ich Du wäre, würde ich jeden Tag den prächtigsten Lachs mit anderen teilen und den Kleinsten allein so verspeisen als wenn er der größte und schönste Fisch weit und breit wäre. Das würde mich glücklich und zufrieden machen.“ Erstaunt
über die Antwort setze sich Knuddi-Kuschelweiß auf einen
Baumstumpf neben ihm, hob seine Tatzen hoch und begann sie zu
langsam und von allen Seiten zu betrachten. „Geschickt
beim Fischen?“, wunderte er sich und stellte erstaunt fest, das
er das so noch gar nicht gesehen hatte. Er erinnerte sich wieder
daran, wie seine Kollegen ihn beim Fischen in den letzten Monaten
herum kommandiert hatten. ‚Halt mal die Füße still.’… ‚Geh
mal nen Schritt zurück.’ Ja,
er erinnerte sich gut daran. Er merkte mehr und mehr, dass seine
Ideen immer weniger gefragt waren, die tägliche Fischquote immer
höher wurde und sein Fischgebiet immer mehr zu schrumpfen schien.
Wie häufig hatte er sich flexibel wie ein Chamäleon gezeigt und
trotzdem gab es für ihn wenig Möglichkeiten, sich einzubringen.
Letzendlich, und das wußte er genau, war es nicht mehr das, was
er sich wünschte. Nur was wünschte er sich? Der
Mäuserich musterte ihn immer noch wartend. Er hatte die hörbaren
Selbstgespräche des Bärlings die ganze Zeit über verfolgt,
nickte hin und wieder verständnisvoll mit dem Kopf und brachte an
manchen Stellen ein „Aja“, „ach“ oder „hm“ mit ein (Aktives Zuhören & Backtrack). Als
er bemerkte, dass Knuddi-Kuschelweiß so in sich versunken war,
dass er ihn überhaupt nicht wahrnahm, tippelte Nase-Weiß kopfschüttelnd
davon. „Ich
und ein Bärling sein?“, so ein Anliegen hatte noch keiner der
Bewohner im Rabulgaland an ihn heran getragen. ‚Seltsamer
Petz’, dachte Nase-Weiß und beschloß, nicht mehr weiter darüber
zu sinnieren und den Rest des Tages lieber zu Hause mit der Mäusebande
zu verbringen. Dann verschwand er in seinem Tunnelsystem und war
glücklich, dass er ein Mäuserich war - klein genug, um durch
alle Mäuse-Tunnelröhren-Netzwerke in ganz Rabulgaland zu passen
(NLP-Philosophie/
Axiome II) . Doch
Knuddi-Kuschelweiß saß immer noch am selben Fleck und starrte
von seinen Tatzen zur Sonne hinauf, wieder zurück auf seine großen
kräftigen Pranken und versuchte sich daran zu erinnern, was der Mäuserich
ihm geraten hatte. Traurig blickte Knuddi-Kuschelweiß wieder zur
Sonne empor. ‚Was
wäre, wenn ich eine Maus wäre? Wie würde Nase-Weiß reagieren?
Was würde er tun oder sagen?’, fragte er die Sonne, doch
niemand antwortete ihm. Er glaubte noch immer keinen Schritt
weitergekommen zu sein. Er hatte mehr Fragen als vorher und immer
noch keine Antworten. ‚Ich
brauche mehr Sicht’, empfand er und nahm sich eine große,
vielversprechende Mülltonne mit der Aufschrift „Müll als
Perspektive“ und kletterte auf sie. (à
1, 2, 3. Position) Als
er so da stand und um sich blickte, fiel ihm auf, dass von hier
oben alles irgendwie anders auszusehen schien. Er schaute zuerst
nach links, dann nach rechts, mal nach unten und dann wieder nach
oben und staunte und staunte. ‚Ich
glaube, ich sollte mal bei Dr. Nasenbär vorbei schauen, irgendwas
stimmt mit meinen Augen nicht’, vernahm er eine innere Stimme.
Die Nasenverstopfung und die Schmerzen, die er seit letzter
Zeit hatte, könnten auch mal unter die Lupe genommen werden. Er
kletterte von der Tonne herunter, kramte sein Notizbuch aus seiner
haarigen Brusttasche hervor und schrieb sich auf, Mutter Theresa
Nasenbär einen Besuch abstatten zu wollen. Als
er sein Notizbuch gerade wieder einstecken wollte, fiel im eine
kleine Karte heraus. Es war die Bärlingskontaktkarte von Prof.
num. ling. Hans-Schwarzbär. Er hob sie auf, sah sie eine Weile
lang an und dachte dabei an seine Forschungszeit zurück. ‚Wie
hätte ich den lustigen & glücklichen alten Hans-Schwatzbär
vergessen können’, trällerte er und beschloss zugleich, ihn
anzurufen. Knuddi-Kuschelweiß griff zur Bärphonemuschel und wählte,
mit den Füssen dabei wippend, die Nummer vom Professor. Am
anderen Ende der Leitung brummte ein Signal. Hm, anscheinend war
Hans-Schwarzbär noch nicht zu Hause. Vielleicht würde er ihn
noch im Forschungszentrum erreichen. Also machte er sich auf den
Weg zum Institut, lief stampfend und brummend durch die kleine
Innenstadt, die er als Bärwinzling so liebte. Es
dämmerte schon. Knuddi-Kuschelweiß sah wie die Lichter der Häuser
das Dunkel erhellten und die Stadt wie ein Sternenhimmel zu
erleuchten begann. Er
hoffte, dass ihm Büro von Hans-Schatzbär noch Licht brennen würde.
Er wünschte sich, dass Prof. Schwarzbär immer noch seiner
Passion folgend, mit Lust, Begeisterung und Leidenschaft Bärlinge
unterrichten würde und er ihm helfen könnte. Als er ankam, spürte
er eine leichte Anspannung. Neugier machte sich breit und er
begann zu lächeln, als er schon von weitem die Gestalt von
Hans-Scharzbär erkannte und langsam auf ihn zu ging. „Guten
Abend, Herr Professor“, begrüßte Knuddi-Kuschelweiß den in
die Jahre gekommenen und inzwischen fast vollständig ergrauten
Scharzbären. „Erinnern
Sie sich noch an mich? Ich bin Knuddi-Kuschelweiß und habe vor
zwanzig Jahren Ihre Vorlesungen besucht.“, sprach er den alten,
weisen Bären erfürchtig an und hoffte, dass der Professor sich
noch an ihn erinnern konnte. Der Alte musterte ihn von oben bis
unten, sah ihm schließlich in die Augen und streckte ihm
die Hand entgegen. „Guten
Abend, Knuddi. Ich freue mich, Dich wiederzusehen“, antwortete
ihm Hans–Scharzbär schmunzelnd und klopfte ihm willkommen heißend
die Tatzen. „Schau, nach so vielen Jahren bin ich immer noch
hier und halte Vorlesungen“, setzte er fort und lud
Knuddi-Kuschelweiß auf einen Honigwein in die „Bärenklause“
ein. Knuddi nahm die Einladung von Prof. num. ling. Schwarzbär
dankend an und beide schlenderten den abendlichen Sternenhimmel
genießend zur Bärlingskneipe, die sich nur wenige Schritte
entfernt vom Institut befand. Sie
gingen hinein und suchten sich ein ruhiges Plätzchen, bestellten
einen deftigen Honigbraten und einen großen Krug Wein. Als der
Ober, ein kleiner geschäftiger Ameisenbär, ihnen den Wein
brachte, waren sie schon in Gespräche über die guten, alten
Zeiten vertieft, so dass sie sich nur beiläufig mit einem kurzen
Blick beim Ober bedankten und das Gespräch unbeirrt fortsetzten.
Knuddi-Kuschelweiß erzählte Hans-Schwarzbär, was ihn bewegte
und das er sich gern wieder lebendig fühlen und sein Leben selbst
bestimmen würde. Er berichtete von allem, was ihn so sehr
beschwerte. Er nahm seinen schweren, beladenen Rucksack des Lebens
ab und veranstaltete ein riesen großes Picknick mit all seinen
gesammelten Schätzen der Vergangenheit. Als er fertig war, fühlte
sich Knuddi etwas erleichtert. In dem Moment, als ihm bewußt
wurde, was er das alles im Gepäck hatte und nun ausgebreitet vor
ihm lag, fühlte sich Knuddi-Kuschelweiß unglaublich allein und
unglücklich. Mit
seinen großen, runden braunen Kulleraugen schaute er Prof.
Schwarzbär an und wartete. Der wiederum schlürfte entspannt ein
Glas Wein und hörte ihm geduldig und aufmerksam zu. Dann nickte
er mit dem Kopf und fragte „Erinnerst Du Dich noch an die
MediDingsda- und AtmungsBumsda-Techniken, die ich Euch gelehrt
habe?“. Knuddi-Kuschelweiß versuchte sich zu erinnern, doch wie
sehr er sich auch anstrengte, er kannte nur noch die zwei Worte,
aber er vermochte es nicht, sich daran zu erinnern, was sie
bedeuteten. „Ich
kann mich nicht erinnern“, gestand er leise, „ich
habe es einfach vergessen“, fügte er noch zaghaft hinzu. Der
Professor blickte ihn ruhig an und sagte mit väterlicher Stimme „Lass
Dir Zeit. Du kennst die Lösung bereits. Entspann Dich und denke
an etwas Wunderschönes, an ein Erlebnis, wo Du Dich unbeschwert
und frei, glücklich und zufrieden gefühlt hast. … Es ist gut
seine Gedanken loszulassen und sich einfach treiben zu lassen. …
Du fühlst Dich leicht und lächelst in Dich hinein. Vielleicht
siehst Du Dich in einem Bild oder einem Film, hörst etwas, was
Dich berührt. Dein Atem ist ruhig und gelassen. … Und während
Du Dich immer wohler zu fühlst, wirst Du merken, wie sich Dein Körper
immer weiter entspannt. …“ (Trance) Knuddi-Kuschelweiß
folgte seiner inneren Stimme und der von Prof. Schwarzbär und ließ
sich treiben. Er träumte vom Rabulgaland. Er träumte sich seinen
alten Traum zurück. Knuddi-Kuschelweiß sah einen traumhaften
Regenbogen mit vielen bunten Farben. Vor ihm lag das große, weite
Lila-Meer ausgebreitet, mal
stürmisch und dann wieder ruhiger und ganz sanft. Er hörte
schwungvolle lateinamerikanische Musik und Menschen tanzten auf
einem riesigen Volksfest. Er trank in seinen Träumen prickelnden
Sekt und trug das Herz voller lebhafter Gefühle umher. Er roch
einen riesigen Blumenstrauß voller bunter Feld- und Wiesenblumen,
vermischt mit dem Hauch einer Meeressalz-Brise. Er träumte sich
fort, weit fort und versank tiefer und tiefer in seiner Phantasie.
Er sah ein kleines Haus am Meer, irgendwo im Süden vom
Rabulgaland. Lachen und freudiges Brummen drang aus dem Haus. Er
erblickte einen Garten mit einem wunderschönen Spielplatz, der an
ein kleines Waldstück angrenzte. In seinen Träumen erschienen
Knuddi kleine Bärlinge, so zehn bis zwanzig und zwischen zwei und
sechs Bärenjahren jung. All seine Erinnerungen begannen plötzlich
wieder in seiner Traumwelt zu schweben. Fasziniert und begeistert
folgte er seinen inneren Kinderstimmen, hörte sie unbeschwert
lachen und fühlte eine Leichtigkeit, die ihn in seinem tiefsten
Selbst so intensiv zu berühren schienen, das Knuddi sich zu wünschen
begann, niemals mehr aus diesem Traum aufzuwachen. Er stand sich
selbst gegenüber, sah seine eigene Gestalt so klar und deutlich
vor sich - wie er, Knuddi-Kuschelweiß, die kleinen Bärlinge
behutsam auf das Leben vorbereitete, hörte wie seine Stimme den
kleinen, unschuldigen Wesen den Zauber des Lebens lehrte und er
verspürte dieses bekannte Glücksgefühl der inneren
Zufriedenheit wieder und wieder. Die Sonne schien wie an
Sommertagen in seinen Träumen, er tollte mit den kleinen Bärlingen
umher und erfreute sich des Lebens. Nichts wünschte er mehr. Er
ließ sich fallen und die Sonne wärmte ihn. Es war fast so, als
ob das Träumen ihn wieder lebendig werden ließ. Er sah sich
beschwingt, leicht federnd am großen, weiten Lila-Meer, den rosa
farbenen Fischen hinterherjagend. Er unternahm wieder neugierige
Ruderausflüge oder verschlenderte einfach den Tag auf leuchtend
bunten Wiesen. Knuddi-Kuschelweiß pflückte wieder die lieblichen
Issmich-Honigfrüchte und schmatze sie genüßlich hin sich
hinein. Er freute sich und genoß die Meeresbrise, er war er
selbst und endlich angekommen. Als
er gerade wieder zu einem neuen Abenteuer im Rabulga-Traumland
aufbrechen wollte, hörte er plötzlich die Stimme von Prof.
Scharzbär erklingen, die ihn freundlich aber bestimmt zum Zurückkehren,
zum Verlassen seiner unendlich schönen Träume aufforderte. Seine
großen braunen Kulleraugen öffneten sich wieder. Noch etwas
benommen brauchte er einige Minuten, um sich wieder zu
orientieren, wo er war. Leicht verschlafen erkannte er das Gesicht
von seinem Professor und er erinnerte sich… „Manchmal
kann das Unglücklichsein auch ein Geschenk sein. Es kann Dir
helfen, Deinen eigenen Weg zu finden und Dich mit Weisheit
erleuchten“, vernahm Knuddi-Kuschelweiß die liebevolle Stimme
von Prof. Hans-Scharzbär. Der
Bärling dachte darüber nach und fand, dass der Alte irgendwie
recht hatte und beschloss für die Zukunft, sein Leben zu verändern
und stets beide Seiten zu betrachten. (Refraiming) Angetan
von dem Wohlgefühl und noch immer erfüllt von seinen Träumen
bat er den Professor, ihn in seinem Leben für einige Zeit zu
begleiten. Und so kam es, das Knuddi-Kuschelweiß wieder bei Prof.
num. ling. Hans-Scharzbär Meisterschüler wurde und häufiger
wieder in Forschungszentrum anzutreffen war. Er befasste sich mit
neuen Wissensgebieten und forschte zusammen mit dem alten, weisen
Schwatzbär. Auf
seinen Studien traf er viele neue Gleichgesinnte, Dipl.
num. ling. Karl-Käfer zum Beispiel, der ihn in Tiersoziologie und
–physologie mit Weisheit erhellte, Madame
Gira-von-Langhals, die Meisterin von Time-Lines,
die besonders weit und vorausschauend über das Rabulgaland zu
blicken vermochte, Dr.
Hiltrud-Schildi, die gern ihre Anker verteilte und sich wochenlang am gleichen Ort angekettet
aufzuhalten schien. Im
Laufe der Zeit erforschte der nun weltbekannt gewordene Prof. num.
ling. Knuddi-Kuschelweiß sogar Dr. Disney-Kauz und weil er ihn so
mochte, widmete er ihm nicht nur viel Zeit, sondern sogar seinen
Studien und veröffentlichte die heute noch bekannte Disney-Strategie.
Er
erfand mit anderen Kollegen zusammen einen neuen Generator (New
Behavior Generator), spielte in seiner Freizeit abends gern
Squash (Visual
Squash) und hatte auch noch Begeisterung, Motivation und genug
logische
Ebenen gefunden, um sich einen Namen auf weiteren, noch heute
anerkannten und praktizierten Wissensgebieten zu verschaffen. Knuddi-Kuschelweiß
lernte viel über sich selbst. Ihn erfreute sein neuer
Perspektiven-Reichtum und die Vielfalt seines Bärlingslebens. Er
hatte viele neue Wegbegleiter gefunden und war sich sicher, dass
alles im Leben zur richtigen Zeit und am richtigen Ort passiert,
um ihm die Geschenke des Universums zu Füßen zu legen, die er
nur zu erkennen brauchte und in Zufriedenheit annehmen konnte. Er
entwickelte seine wahren Talente und folgte seiner Berufung: Prof.
num. ling. Knuddi-Kuschelweiß wurde letzten Endes sogar noch Bärlingscoach
in einem Kinderdorf im wunderschönen Rabulgaland und lebte fortan
glücklich und zufrieden, mit Polly-Waschbär vereint, am grossen
Lila-Meer. |
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