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Es war einmal ein junger Mönch. Er kam aus dem
Moorland in Tibet und verbrachte nun seine Jugend dort in einem Kloster.
Das Kloster hatte schon viele Buddhas hervorgebracht und war umgeben von
braun-rotem Land. Er kannte die Gewalt der Natur außerhalb der
Klostermauern von seinen Wanderungen und vom morgendlichen einsammeln der
Nahrungsspenden. Jedoch war er auch und vielleicht noch viel mehr
vertraut mit der Welt da innen, in sich drin, drinnen ganz tief drinnen.
Denn täglich mehrfach zum Gong der Alten versenkte er sich in Meditation
und Stille. Doch manchmal, an Tagen mit Blitz und Donner
mochte er gar nicht nach draußen gehen – dann blieb er im Kloster auf
seinem Kissen sitzen, verschränkte die Arme und zog die Schultern hoch
– gar Groll kam in ihm auf und er sagte zu sich selbst: „Da gibt es
einen Auftrag, den Du hast junger Mönch. Der Auftrag ist größer als
Reis zu sammeln. Aber was ist das wohl? Wie soll ich das tun? Was werden
die anderen Mönche dazu sagen?“ Wut kam auf und am liebsten wäre er auf einem
Pferd davon geritten, ganz weit weg von dem was Blitz und Donner ihm sagen
wollten. Die Alten im Kloster sahen ihn immer wieder so
sitzen, lächelten milde aber sagten nichts – sehr lange nichts. Erst als Blitz und Donner häufiger wurden, der
junge Mönch wütender mit sich war und bitter, trat der Rat der Alten auf
ihn zu und sie baten ihn seinen Geng Mai Sha Tee auszutrinken und zu
gehen. „Was soll ich denn tun?“ Fragte der junge Mönch: „Nimm Deine
Aufgabe an und bleibe uns allen ein guter Freund! Wir freuen uns dass Du
diese Verantwortung übernimmst und werden uns unseren eigenen Aufgaben
widmen.“ Mehr konnten die Alten dem jungen Mönch nicht sagen. Als der junge Mönch aus dem Kloster trat sah er
die hohen, zackigen Gipfel der Berge vor sich aufragen: er wusste sofort.
„Das ist mein Weg – wie aufregend!“ Er spürte Energie die sich
zwischen seinem Bauch und seiner Brust ausbreitete, ja er spürte sogar
Adrenalin, aber seine Atmung ruhte tief unten in seinem Bauch. Seine
Füße waren ungeduldig und er sagte zu sich: „Na los, geh schon!“ Ein paar ihm vertraute Katzen aus dem Kloster
begleiteten ihn auf den ersten Schritten noch – er sah sie zwar nicht
aber spürte oder roch sie angenehm an seiner Seite. Der Weg zum Fuß der Berge war nicht weit und plötzlich
zeigte sich ihm ein Symbol auf seinem Weg: Es war ein Kreis. Und zwei
Personen in diesem Kreis standen vorne und waren sich näher als die
anderen. „Naja“, sagte er zu sich, „das wird vielleicht nichts
bedeuten. Jetzt einfach weitergehen!“ Immer wieder fragte sich der junge Mönch, was
denn nun seine Aufgabe sei, wo er sie finde und wie er sich dann den
anderen Mönchen gegenüber verhalten sollte, wenn er ins Kloster zurückkehre. Als er die Berge erreichte richtete sich der junge
Mönch ohne Pause auf, atmete durch, ballte kraftvoll die Hände zu Fäusten
und nahm den Anstieg in Angriff. Auf in den Kampf, dachte er kam und
schnell ins keuchen. Er ging zurück und rastete erst mal. Sofort darauf probierte er es aufs Neue … bis er
an einen unüberwindlichen Steilhang kam. Kein Weiterkommen. Also ging der
Mönch zurück und rastete wieder. Frisch gestärkt wollte der Mönch noch mal den
gleichen Weg nehmen, obwohl nicht bergerfahren, aber kam wieder nicht hinüber. Er sah ein, dass er sich auf die Fähigkeiten
besinnen sollte, die ihm vertrauter waren als das Wandern: so bereitete
der junge Mönch sich erst mal einen Grüntee mit geröstetem Reis und
begann zu meditieren. Nach einigen Stunden öffnete er die Augen und hatte
sich keinen Fuß weiterbewegt. „Also gut“, sagte er sich, „dann war
es eben nicht genug“. Der junge Mönch trank nun zwei Tassen Geng Mai
Sha Tee und meditierte doppelt solange. Wieder kein Vorankommen. „Also gut“, sagte sich er sich zum
wiederholten Male, „dann war es eben immer noch nicht genug.“ Der
junge Mönch wollte sich nochmals den Tee bereiten und verspürte plötzlich
etwas in sich drin, das ihn stoppen ließ – eine Müdigkeit überkam ihn
und er geriet in einen Dämmerschlaf. In diesem Zustand sah er eine Buddha-ähnliche
Gestalt fröhlich und gut gelaunt den Berg hinunterwandeln. „Hallo
junger Mönch“, sagte der Buddha. „Bisschen müde, wa?“ Der junge Mönch
lächelte der vertrauten Gestalt zu, die ihn da angesprochen hatte –
ohne Ahnung woher er sie kannte. Außerdem war er erstaunt, dass jemand
diese Berge so leicht hinunter spazieren konnte und offensichtlich auch in
der Lage gewesen war, sie hinaufzukommen. „Worin besteht Dein Problem?“ fragte der
Buddha. „Ich habe eine besondere Aufgabe wie jeder eine besondere
Aufgabe hat.“ Sagte der junge Mönch. „Nur meine besteht darin für
alle anderen Mönche da zu sein und dafür zu sorgen, dass alle im Kloster
die selben Voraussetzungen für ihre Aufgaben vorfinden. Außerdem gibt es
da noch meine eigenen Talente, um die ich mich kümmern muss. Und ich
glaube, der Rat der Alten möchte engen, regelmäßigen Kontakt zu mir.
Aber sie haben mich erst mal rausgeschickt. Und nun weiß ich nicht, wie
ich über diese Berge komme.“ Der Buddha fragte den jungen Mönch, was
er denn wolle, auf den Bergen. „Meine Aufgabe finden.“ Da merkte der Mönch,
dass ihm diese Aufgabe schon klar geworden war. „Was brauchst du denn, um Deiner Aufgabe, für
die anderen Mönche gleiche Voraussetzungen zu schaffen, nachkommen zu können?“
„Ich brauche Flexibilität, Achtsamkeit und Respekt von anderen.
Achtsamkeit habe ich, Flexibiliät und Respekt von anderen… da bin ich
nicht sicher.“ Der Buddha sprach: „Wie würde sich jemand, der
Flexibilität besitzt, denn vielleicht verhalten, an Deiner Stelle?“ Der
junge Mönch überlegte und antwortete dann: „Er würde nicht nur auf
die zackigen, hohen Berggipfel schauen, die da vor ihm liegen sondern auch
nach links und nach rechts.“ Der junge Mönch schaute zu seiner Linken und sah
eine weite schöne, grüne Ebene. Der junge Mönch schaute zu seiner
Rechten und erblickte einen blauen See, ruhig und glatt wie das Om,
das er so oft meditiert hatte. Es war angenehm warm und sommerlich –
genau richtig. Als er wieder gerade aus schaute sah er nur noch
sanfte Hügel, übersät von Margariten, frisches Quellwasser lief in den
See an dem sich ein Reh labte. „Du hast die freie Wahl welchen Weg Du wählen
willst. Du machst Dir Deine Landkarte selbst.“ Sagte der Buddha. „Und
außerdem habe ich noch ein Geschenk für Dich.“ Der Buddha gab dem
jungen Mönch eine Schale und sprach. „In diese Schale legt jeder das
hinein, was er geben kann und jeder bekommt das, was er braucht. Gehe
Deinen Weg, wann immer Du willst. Ich bin Dein Verbündeter und immer da,
wenn Du mich brauchst, denn ich bin nichts anderes als Du selbst.“ Der
junge Mönch nahm die Schale, legte seinen Respekt für die anderen Mönche
hinein und ging seinen Weg …
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