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Metapherngeschichten

Eisstern

 


Das Jungbrunnenwasser

Es war einmal in einer fernen Zeit, als der König aller Lebewesen seine Untertanen zu sich rief und zu ihnen sprach: „ Wie ihr wisst, liegt das Glück und Wohlergehen unseres Reiches und seiner Bewohner in der Hand unserer Zauberblume. Doch sie ist alt und schwach geworden, denn schon lange hat sie kein Jungbrunnenwasser mehr bekommen. Es ist an der Zeit, dass sich jemand auf den Weg macht, dieses Wasser zu holen, damit sie es trinken kann und wieder jung und kräftig wird. Nur dann kann es uns weiter so gut gehen wie bisher. Er ließ seine Blicke schweifen und winkte dann einen seiner Recken zu sich. Wenn ich dich so ansehe, dann habe ich das Gefühl, du bist für diese Aufgabe genau der Richtige. Du steckst so voller Tatendrang und Ideen und wirst nicht aufgeben ehe du das Ziel erreicht hast.“

Er gab ihm einen Krug und der Held machte sich auf den Weg. Vielleicht dauerte es einen Tag, ein paar Wochen oder Monate bis er sein Ziel erreichte. Er schöpfte das Wasser und machte sich auf die Heimreise. Doch als er in sein Heimatreich kam, geschah etwas ganz Unglaubliches. Die Bewohner traten ihm wie böse Feinde entgegen und hinderten ihn daran, zum Schlossgarten zu gelangen. Erkannten Sie ihn nicht? Sie drängten ihn vom Weg ab und er stürzte in eine tiefe Schlucht. Dunkel war es dort, kalt und es regnete. Er kam sich vor wie ein hässliches Warzenschwein, während er mal kraftlos schleichend, mal von Rachegelüsten aufgerüttelt herumtrottete. Er fand nur Disteln und bitteren Wermuttee um sich zu ernähren und bald war er mit seiner Kraft ganz am Ende, sank nieder und schlief ein. Im Traum begegnete er einer wunderschönen kleinen zarten Fee. Sie fragte ihn . „ Was machst du hier? Und er erzählte ihr, wie er in diese Wüste geraten war. 

Sie fragte weiter: „Wer ist daran schuld?“ „Und was empfindest du und denkst du dabei über dich, so ein Problem zu haben?“ Und er erzählte ihr die Geschichte von Joseph, denn sie erschien ihm als Gleichnis. Und wieder fragte die Fee: „Und was war der Grund für dich, so eine gefährliche Reise zu unternehmen? Was wolltest du damit erreichen?“ Und er erzählte ihr wieder von der wunderschönen Zauberblume, von der fantastischen Wirkung auf alle Lebewesen in seiner Heimat und wie er sie wieder stark und kräftig machen wollte. Die Fee hörte sich alles an und sah, wie viel ihm daran lag, seine Reise erfolgreich zu Ende zu führen. Sie fragte ihn: „ Angenommen es könnte ein Wunder geschehen. Was könnte es sein, das dich unterstützt?“ Und er dachte nach und vor seinem inneren Auge erschien ihm ein Tiger, kraftvoll und geschmeidig in den Bewegungen, mit wachen Augen, er sah eine Flasche mit Cola - wie Energie verbunden mit Wohlgeschmack, und er fühlte frische Bergluft, wie er sie in Bayern kennen gelernt hatte. Sehnsuchtsvoll seufzte er und sagte zu der kleinen Fee: „Kannst du mir das nicht zaubern?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin nur eine kleine Fee. Soviel Zauberkraft habe ich noch nicht. Aber wenn du willst, kann ich dich dabei unterstützen, den Weg zu finden und die ersten Schritte zu gehen. Lass dich einfach überraschen von dem, was passieren wird.“ Und so schlief er tief und fest bis in den nächsten Tag hinein. 

Als er erwachte, spüre er, dass es etwas wärmer geworden war. Er bewegte seine kurzen, schrumpligen Beine und setzte sich ganz langsam in Bewegung. Erst ging es schleppend, doch mit der Zeit immer besser, schneller. Er sah seltsame Früchte  an einem Strauch und kostete sie. Der Geschmack überraschte ihn. Wie lange hatte er nur bittere Wurzeln gekaut. Heute erinnerte es ihn ein wenig an Zitrone, säuerlich und dennoch auch fruchtig. Im Weiterlaufen sah er vor sich eine Dornenhecke. „Ach, ich wusste es ja, es geht nicht weiter...“ seine Beine knickten ein und er sank auf den Boden. Ein leicht modriger Geruch umwehte ihn. Doch nachdem er ein wenig geruht hatte, spürte er neue Kraft. In der Ferne hörte er leise Musik. Er ging darauf zu, immer an der Hecke entlang. Jetzt erkannte er sie. Es war „Der Bolero“ von Ravel. Er lief immer weiter. Seine Beine kräftigten sich. Nur ab und zu musste er sich noch ausruhen. Bald erkannte er: Die Hecke beschrieb ein Oval. Zwischendurch war er auch manchmal wütend auf die kleine Fee. „Sie hätte es mir wirklich ein wenig einfacher machen können!“ Dann hörte er leises Donnergrollen und sah kleine, spitze Blitze. Sie kleinen Sonnenlöcher in den Wolken zogen sich wieder zu und fast wollte er aufgeben. „Welchen Sinn macht es, in diesem Mistwetter so weiterzulaufen?“ Manchmal kam auch so etwas wie Angst in ihm auf, dass er nie herausfinden könnte aus diesem Oval. 

Doch plötzlich erkannte er, wie gut es die Fee mit ihm gemeint hatte. Im Schutze des Heckenzaunes hatte er sich trainiert, wie ein Läufer im Stadion. Seine Beine waren kräftiger, seine Bewegungen mit der Zeit geschmeidiger geworden. Auch seine Gestalt hatte sich verändert- war er ein Fuchs? oder war er sogar schon tigerähnlich? Und er fragte sich:“ Was ist das eigentlich für eine Hecke? Ist sie nicht doch irgendwie zu überwinden?“ Er trat näher und siehe da, sie schien nicht überall gleichmäßig dicht zu sein. Es gab Wege, die aus dem Oval herausführten. Es war nicht wichtig, sich jetzt für einen von Ihnen zu entscheiden - den, der zu der Freiheitsstatue am Horizont führte vielleicht, oder lieber die Richtung, aus der Musik erklang- wie die Brandenburgischen Trompetenkonzerte ? Oder vielleicht auch ein ganz anderer? Viel wichtiger war, er konnte seine neue Energie und Erfahrung auf den Weg mitnehmen. Er wusste, es würde nicht immer die Sonne scheinen und es sind nicht nur gerade, glatte Wege zu bezwingen, manche werden bergauf und bergab gehen, wie Rosen, die nicht nur schön sondern auch dornig sind. Und es wird manchmal sehr warm sein, oder aber auch kalt. Und er würde alles zusammen genießen. Und jetzt war er ganz sicher, dass es ihm gelingen wird, die Zauberblume zu erreichen und zu gießen. 

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