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„Es war einmal ein kleines Wesen. Das kleine Wesen fühlte sich ganz ausgelaugt und außer Atem. Es fühlte sich so eingeengt und gar nicht wohl in seiner Haut. Es war, als wenn sein Hemdchen viel zu eng wäre. Ihm brummte der Kopf von den vielen Geräuschen, die auf es hereinprasselten. Der Kopf drohte fast zu zerspringen von den Tönen, der Lautstärke, den Stimmen und all dem Unbekannten. Das kleine Wesen wusste nämlich nicht woher die Geräusche kamen, es konnte keine Quelle ausmachen. Die Töne und Stimmen und Fragen waren einfach nur da. Das kleine Wesen konnte auch nichts sehen, so erschöpft war es. Es wusste nicht einmal mehr wer es war, geschweige denn, woher es kam oder wohin es wollte. Es wusste nur, dass es sich unwohl fühlte und dass etwas anders werden musste. Aber warum? Bisher war doch alles gut, oder? Bisher hat es doch alles richtig gemacht, oder? Das kleine Wesen versuchte sich zu erinnern, aber alles was ihm dazu einfiel war wie ein Bild aus dunkler, grauer Vorzeit. Zu düster um wirklich etwas darauf zu erkennen. Außerdem war es so nass und so kalt, dass das kleine Wesen den feinen Nieselregen förmlich hören konnte. Und die Ungewissheit und die hämmernden Fragen machten den Kopf zusätzlich wuschig. Das kleine Wesen kämpfte und wand sich, aber bald hatte es keine Kraft mehr. Es widerstrebte nicht mehr, es wand sich nicht mehr und es stellte keine Fragen mehr. Es war so erschöpft, dass es einschlief. Und siehe da, plötzlich wurde es dem kleinen Wesen wärmer. Die finstere Dunkelheit wich zurück und langsam wurde es heller. Es konnte das klare Licht und die klare Luft sehen und der Tau glitzerte wie Eis auf den Blättern. Es sah kalt aus, aber dem kleinen Wesen war ganz warm. Auch wurden die Geräusche weniger. Es war als würden sie von einer dicken, wollenen Decke aus Ruhe zugedeckt. Das kleine Wesen fühlte sich schon besser, aber es wusste immer noch nicht wer es war und woher es kam. „Hey, wo bleibst Du denn?“ Das kleine Wesen erschreckte sich. Da hat doch jemand gerufen. „War ja wieder klar. Du liegst im Gras und sonnst Dich, während wir hier arbeiten. Hast wohl wieder geträumt beim Läusemelken und bist vom Blatt gefallen. Kenn ich die Ausreden, das zieht bei mir nicht.“ Vor dem kleinen Wesen baute sich ein grimmig dreinschauendes achtarmiges Insekt auf, das ungeduldig mit den Fühlern wackelte und mit einem oder zwei Füßen aufstampfte. „Wer bist Du, wer bin ich und wo sind wir?“ fragte das kleine Wesen. „Au – das sieht nach einem harten Aufprall aus.“ Zischte das Ungeduldige. „Aber das wird wieder. Also, das Wichtigste in Kürze: Du bist Ameise und hast hier zu arbeiten. Ich bin Bmeise, ich sage Dir, was Du zu tun hast. Und wir sind immer noch in Meistens“ „Meistens? Wo ist das?“ fragte die Ameise. Die Bmeise wurde jetzt noch ungeduldiger. „Also pass mal auf Kleiner. Ich kann Dich ja gut verstehen. Ich bin auch mal runter gefallen und auf dem Kopf gelandet. Das dauert ein paar Stunden und dann ist alles wieder beim Alten. Also fragt nicht so viel und komm. - Versetz Dich doch mal in meine Lage hier fallen täglich hundert Ameisen runter und wenn ich jetzt jeder die Welt noch mal erklären müsste, dann würde nichts mehr funktionieren und wir könnten alle einpacken. Wie sieht das denn aus, wenn Cmeise uns jetzt hier stehen sieht und denkt wir halten ein Kaffeepläuschchen? Also ran an die Arbeit“ Wie automatisch stand Ameise auf und folgte Bmeise. „Wo ist Meistens?“ fragte Ameise während sie wieder auf den Ameisenweg zurückkehrten. „Meistens liegt irgendwo in Überall zwischen Immer und Nie. Und jetzt frag nicht so viel, dass ist besser für Dich“ Den ganzen Tag tat Ameise, was Bmeise ihm sagte. Und auch den Tag darauf und den darauf und all die nächsten Tage. Ameisen machen eben was Bmeisen zu ihnen sagen, genau so wie die Bmeisen alles machen, was die Cmeisen zu ihnen, weil die auch alles ausführen, was die Dmeisen sagen usw. Das funktioniert wie ein gut geöltes Uhrwerk. (Was passiert eigentlich, wenn das Alphabet zu Ende ist?) Das war schon immer so und das wird sich nie ändern. Moment – der Ameise kamen Zweifel. „Wie kann ich denn wissen, dass das schon immer so war, wenn ich noch nicht in Immer war und wie soll ich glauben, dass sich das nie ändern wird, wenn ich noch niemanden aus Nie gefragt habe?“ Dies ließ der Ameise keine Ruhe. Der Ameisenstaat funktionierte doch und sie erfüllte ihre Aufgaben, genau wie alle Anderen, aber irgendwas fehlte der kleinen Ameise und so beschloss sie eines Tages aufzubrechen und in die Welt zu ziehen um ihr Glück und Zufrieden zu finden. Wann immer sie eine Meise auf ihrem Weg traf fragte sie es, wie sie Glücklich werde und wo sie Zufriedenheit finde. Und sie traf eine Menge Meisen der unterschiedlichsten Buchstabengattungen. Sie traf verschiedene A-,B-,C-, usw.-meisen. Die erzählten ihr, wie glücklich die Arbeit macht, die Ordnung, der geregelte Ablauf und das Allgemeinwohl. Sie schilderten, wie sie Zufriedenheit durch die Erfüllung ihrer Aufgaben, Sammeln des Futters, Pflege der Brut, und den Aufbau des Staates erlangten. Sie schwärmten von dem erfüllenden Gefühl ein Mitglied in einem starken Zweckverband zu sein. „Das“ sprach die Ameise zu sich. „ist nicht mein Weg“ und sie zog weiter. Sie kam durch Immer und nach Nie und war schon bald in Überall. Sie traf eine Blaumeise, die ihr erzählte, wie glücklich die Blaubeeren machen, besonders die, die schon einige Tage in der Sonne auf dem Acker gelegen haben. Die Ameise schmeckte an den Beeren, aber der Brummschädel machte sie nicht glücklich. Dann traf sie einen Meissel, der malte Bilder in prächtigsten Farben von der Zufriedenheit, die ihn durchströmt, wenn er vom Hammer getrieben den Fels zerschlägt. Aber auch die Erfahrung mit dem Kopf durch die Wand zu gehen machte die Ameise nicht glücklich. An einem anderen Tag fand die Ameise eine Kohlmeise. Die lies den Kopf und die Flügel hängen. „Bist Du glücklich?“ fragte die Ameise. „Nein“ sagte die Kohlmeise. „Weißt Du, wann Du glücklich bist?“ hakte die Ameise nach. „Natürlich, weiß ich das. Ich bin glücklich, wenn ich für eine schöne Kohlmeisin singen kann. - Hörst Du? So wie die anderen Kohlmeisen. Aber ich bin schlauer als die Anderen. Ich habe die schönste Stimme von allen, aber die hebe ich mir auf für die prächtigste Kohlmeisin.“ Die Ameise senkte den Kopf, lies die Arme hängen und seufzte, so konnte sie gut mit der Kohlmeise mitfühlen. Sie überlegte ein wenig, dann sprang sie plötzlich auf und stieg ein paar Äste höher. „Hallo Kohlmeise, schau mich an.“ Die Kohlmeise erhob den Kopf und schaute auf die Ameise. Die Ameise riss die Arme auseinander. „Ich möchte einmal dein schönes Singen hören. Stell dir vor, ich wäre die prächtigste Kohlmeisin, die du je gesehen hast. Wie würdest Du für mich singen?“ Die Kohlmeise breitete ihre Flügel aus und zwitscherte, dass es eine Freude war. Schon bald wurden viele Kohlmeisinnen auf die Kohlmeise aufmerksam und es war an der Zeit für die Ameise weiter zu ziehen. Schon bald darauf begegnete die Ameise einer Schlaumeise. „Weißt Du wie ich glücklich werde und wo ich die Zufriedenheit finde?“ Fragte die Ameise. „Wir Schlaumeisen sind glücklich, wenn wir lesen können und etwas dazu lernen und es erfüllt uns mit Zufriedenheit, wenn wir schwierige Aufgaben lösen können.“ Aha, dachte die Ameise und erkannte, dass dies wohl auch nicht ihr Weg war. So langsam wuchsen die Unsicherheit und der Zweifel in der Ameise heran, als sie einer Weismeise den Weg kreuzte. Weismeisen sind sehr Weise müsst ihr wissen. „Hallo, wer bist Du und was bewegt Dich?“ fragte die Weismeise, bevor die Ameise sie richtig bemerkt hatte. „Ich bin eine Ameise, die sich auf den Weg machte das Glück zu finden, aber so langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob das richtig war. Ich habe so viele Meisen getroffen und gefragt und es gibt so viele Wege. Woher weiß ich, welches der Richtige ist?“ Die Weismeise schaute die Ameise an. Dann sagte sie zu ihr: „Du weißt, dass der Weg richtig ist, weil Du Dir sicher genug bist unsicher darüber zu sein, aber niemals unsicher genug, ihn nicht zu gehen.“ Die Ameise schluckte. „Aber wer kann mir zeigen wo ich die Antworten auf meine Fragen finde?“ „Das“ antwortete die Weismeise „kann wahrscheinlich nur die große Zaubermeise. Gehe Deine Weg weiter und Du wirst ihm begegnen“ Verwirrt zog die Ameise weiter bis sie schließlich ein großes, verhülltes Wesen entdeckte. „Wer bist du“ fragte die Ameise. „Ich“ sagte das Wesen „ich bin die große Zaubermeise. Wenn Du in mein Antlitz schaust, wirst Du sehen, wo Du die Antwort auf Deine Fragen entdecken kannst.“ „Aber warum verdeckst Du Dein Antlitz?“ “Um in mein Antlitz zu schauen musst Du bereit sein. Nur dann wirst Du die Antworten in mir finden.“ „Ich bin bereit“ quengelte die Ameise. Die Zaubermeise hob ihre Verhüllung und die Ameise schaute tief in sie hinein. Jetzt wurde ihr alles klar. Ein klares Bild tat sich vor ihr auf. Strahlend blauer, wolkenloser Himmel, frische, klare Luft, frischer, fruchtiger Geruch und ein herber frischer Geschmack, es war als würden ihr die Augen schmerzen von dieser klaren, reinen Helle, wie reinstes Sonnenlicht auf frischem klaren Gletschereis. Nun erinnerte sich das Wesen. Es wusste, dass es an der Zeit ist tief durchzuatmen. Es sog so viel von der klaren Luft ein, wie es nur konnte. Und noch ein bißchen mehr. Es hätte platzen können vor Freude. Und wirklich, mit einem leisen Knacken gab ihr Panzer nach. Das Hemdchen, was so eng geworden war und ihr die Luft nahm brach in Stücke. Es reckte und es streckte sich und auf seinem Rücken taten sich wundersame Dinge. Es pumpte immer mehr der herben, frischen, klaren, reinen Luft in sich hinein. Und mit jedem Atemzug entfalteten sich die Flügel auf ihrem Rücken ein Stück weiter und wuchsen zu unbeschreiblicher Schönheit. Ein Schmetterling schlüpfte aus seinem Cocon, schlug mit den neuen, schönen Flügeln und erhob sich in die luftigsten Höhen bis über alle glitzernden Berggipfel.“ „So geht es allen kleinen Raupenbabies“ sagte die Schmetterlingsmama zu ihren kleinen Raupenbabies. „Also man euch keine Sorgen. Vielleicht werdet auch ihr zwischendurch träumen, aber wenn ihr die Zaubermeise findet werden sie vorbei gehen, denn dann wißt ihr, dass ihr richtig seid und dass es an der Zeit ist. Nun spinnt Euch schön ein“ Diese Geschichte erzählte der Schmetterling allen seinen Raupen. Nur einmal. Einmal fragte eine Raupe: „Und hat die Zaubermeise auch einen Namen? Nur damit ich ihn auch bestimmt erkenne.“ Ja, sagte der Schmetterling die Zaubermeise heißt: S P I E G E L |
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