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Es war einmal ein Mädchen, das lebte seit langer, langer Zeit in der Savanne. Die Pflanzen dort hatten meist Stacheln, keine Blätter, es gab auch trockene Gräser. Die Gegend sah ockerfarben aus, es war staubig, ohne Wasser. Die trockene Hitze roch nach nichts, meist war es windstill, man bekam höchstens Sand in die Nase. Oder auf die Lippen, das fühlt sich so ähnlich an, als ob man Sandkörner essen würde. Manchmal hatte sie großen Durst, doch es gab selten mehr als schlammiges Wasser zu trinken. Manchmal kam es sich vor wie in dem Märchen von Hänsel und Gretel, als die beiden sich im Unterholz verliefen, noch bevor sie zu bösen Hexe kamen. Im Unterschied zu den beiden anderen war das Mädchen alleine – und hatte seltsamerweise ein schlechtes Gewissen vor sich selber, das Falsche gesagt zu haben, bekam sogar glühende Ohren, wenn es über sich nachdachte. Es wollte stets an sich feilen, auch wenn sie ganz alleine war, wie ausgesetzt kam sie sich vor. Bei vielem fragte es sich, was ist mein Anteil daran, sie bezog es auf sich. Es gab nicht mal einen Spiegel und trotzdem fand sie sich so unattraktiv, dass sie in der Wärme stets mit einer Eselshaut bedeckt herum lief.
Sie hörte beim Einschlafen ein verhaltenes Zirpen im Hintergrund, gelegentlich war es bedrohlich. In der Nacht träumte sie, dass sie eine Schlange, eine kleine giftige Viper biss. Sie drehte sich unruhig hin und her. Sie träumte auch vom Lapislazuli, es war, als ob er zu ihr sprach: „Räume in Deinen alten Gedankenmustern auf und lebe nach Deinen Maßstäben, Du hast alles, was Du brauchst, in Dir“. Und sie träumte von Selbstachtung und Selbstliebe anstelle von hohen Ansprüchen gegenüber sich selbst. Plötzlich wachte sie von einem Geräusch auf, etwas raschelte im Gestrüpp, sie sah, wie sich etwas auf sie zu bewegte, sehr schnell, eine Viper. Ein großer Schmerz durchzuckte sie, sie spürte, wie sie langsam ohnmächtig wurde, ein Gefühl des Verletztseins. Sie wacht auf und alles um sie herum ist völlig verändert. Sie ist auf einer kleinen, Insel, auf der eine alte Ruine steht. Vielleicht in Griechenland oder irgendwo anders. Viel helles Grün, ein azurblauer Himmel über dem Firmament und von einem smaragdgrünen Meer umgeben. Es ist genauso warm wie in der Savanne, eine angenehme Brise weht vom Wasser herüber. Sie klingt fast wie eine Windharfe in griechischer Tonart. Ein leichter Salzgeschmack liegt auf ihren Lippen. Es gibt Ambrosia zu trinken, in einer Schale aus Keramik. Khaki-Früchte und Physalis isst sie am liebsten, sie mag leicht säuerliche Früchte: Manchmal kocht sie auf einem kleinen Feuer die Körner, dann vermischt sich der Rauch mit der leichten Brise. Auf der Insel wachsen viele kleine Blumen, meist Bodendecker oder Kräuter wie der Pfefferwurz, die sie zum Kochen verwendet. Manchmal kommt sie sich vor wie Iphigenie auf Tauris oder wie eine Priesterin. Sie denkt sich: „ich bin alleine und eins mit meiner Umgebung. Und deshalb warte ich freudig gespannt auf meine Aufgabe im Leben. Ich bin bereit dafür, egal ob heute oder irgendwann, ich warte das einfach ab. Ich bin lebendig und deshalb impulsiv. Und ich habe den Kontakt zu mir selber hergestellt“. Mit weit geöffneten Armen läuft sie über ihre kleines Reich. Nachdem sie eine Weile auf der Insel lebt, schließt sie Freundschaft mit einer kleinen Wildkatze, etwas kleiner als ein Gebhard. Die beiden haben das gleiche Temperament und tollen viel über die Insel, sie hat eine Freundin. Der blaue Lapislazuli, den hat sie in ihrer Hosentasche wieder gefunden, als sie auf der Insel aufwachte. Im sanften Licht der untergehenden Sonne leuchten die kleinen, goldenen Pyritpünktchen wie die Sterne, die so weit entfernt sind. Manchmal spricht sie mit ihm über das, was sie am liebsten machen würde:
Sie überlegt einen Moment, setzt sich etwas anders hin, schlägt die Beine übereinander. „Und wir machen ein abwechslungsreiches Fest in meinem Haus am Garten, an einem warmen Abend, schmücken ihn mit Malven und Rosen“, fährt sie nach einer kurzen Pause fort. „Wir tanzen mit Hulahuppreifen und Springseilen nach Harfenmusik, so Barock oder Klassik. Dann mache ich einen Obstsalat, es wachsen seit neuesten Granatäpfel hier. Meine Freundin, die zahme Wildkatze, ist auch dabei. Ich braue für meine Gäste einen Zaubertrank, der exstatische Lebensfreude verleiht. Er stellt den Kanal her und jetzt ist die Verbindung nach oben da. Ich verkleide mich als Priesterin und sie fragen mich um Rat“. Ihre Augen leuchten dabei. “Und gäbe es vielleicht etwas zu beachten, wenn Du die Brücken bauen würdest“, fragte der Stein weiterhin in seiner sanften, freundlichen Art. Sie druckste etwas rum „Ja, ja, ich würde sie ganz gern kontrollieren. So ganz gewohnt bin ich das ja noch nicht mit all den Menschen um mich rum. Ich würde darauf achten, dass mich das alles nicht mehr so berührt wie früher in der Savanne. Und vielleicht ein bisschen aufpassen, dass ich als Priesterin nicht arrogant werde“ sagte sie spitzbübisch und schlug die Hände in der für sie so typischen Art übereinander. Und woran würdest Du merken, dass Du Dein Ziel erreicht hast, fragt der Lapislazuli weise. „Ich würde merken, dass ich mein Ziel erreicht habe, wenn ich einfach nur da bin“, antwortet sie. „Und wo bist Du jetzt? „Sie stutzt einen Moment, lächelt ihn weise an und antwortet versonnen: „na, ich bin einfach hier, den Ort hab ich ja schon gefunden.“ |
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