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Metapherngeschichten

Eisstern

 


Die Meerjungfrau Henrietta

Ich möchte Euch heute die Geschichte von der wunderschönen Meerjungfrau Henrietta erzählen.

Sie lebt umgeben von vielen Schwestern, Brüdern und Freunden tief unten in einem riesengroßen Wasserschloss bei ihren Eltern Neptun und Neptunline.

Neptun hat seine jüngste Tochter Henrietta besonders gern, was er sich jedoch wegen der wasserkundlichen Gerechtigkeit nicht anmerken lies.

Er hatte eines Tages gemerkt, dass sein Liebtöchterchen sich immer mehr zurückzog und heimlich in die großen, dicken Luftblasen schaute, in welchen bekanntlicher Weise Nixen weltliche Bilder erscheinen konnten.

Um den Trübsinn seiner Tochter zu zerstreuen, erließ er den Befehl ein Fest auszutragen. Die schlauen Delfine wurden mit den üblichen organisatorischen Dingen beauftragt. Der Tintenfisch, die Seepferdchen, die Kugelfische, die Wasserschildkröte und der mächtige Chor der Wahlfische gehörten zu den vielen vielen Gästen. Es wurde ein tagelanges Fest gefeiert, wo jeder ausgelassen spielte, musizierte, schnatterte aber auch den Abendteuer anderer zu lauschte.

Henrietta war begeistert, nahm an den Wettbewerben teil und gewann sogar den ersten Preis beim Wettschwimmen. Dieser war, wie es bei ihnen üblich, ein Gegenstand der auf irgendeine Weise ins Meer geworfen wurde von den seltsamen Erdbewohnern und nach Einschätzung des Rates der Meeresweisen noch gebrauchsfähig und schön aussah.

So bekam Henrietta eine Glaskugel, die einen Landschaft mit einem Haus, einem Senkrechtstehenden grünen dicken Baum und einem blauen Himmel zeigte. Letzteren hatte sie schon oft bei ihren heimlichen Ausflügen an die Wasseroberfläche gesehen.

Aber das besondere an dieser Glaskugel bemerkte sie erst als sie diese nach ihrer morgendlichen Gymnastik in die Hand nahm. Die Landschaft war jetzt völlig weis. Was war geschehen? Ist die Kugel kaputt? Sie sieht gar nicht mehr den blauen Himmel.

Henrietta überlegte kurz und schwamm zu ihren Freunden um zu erfragen, was mit ihrer Kugel geschehen war. Aber alle schauten nur verständnislos in die Kugel und schüttelten mit ihren Schwanzflossen. Einer schüttelte voller Verzweiflung die Kugel und alle sahen, dass das Bild jetzt noch weiser wurde.

Henrietta nahm die Kugel schnell an sich und schwamm aus dem Schloss hin zu ihrer Klippe an der Brandung, wo sie schon oft gesessen hatte und in Gedanken versunken geträumt hatte. 

Heute war ein Boot in der Ferne zu sehen und ganz in ihrer Nähe war ein junger Perlentaucher. Kurz überlegte sie, ob sie wohl die richtigen Vokabeln findet, und dachte an Lehrer Schlauflosse der immer mit erhobener rechten Seitenflosse vor den Menschen gewarnt hatte, ihnen aber trotzdem wichtige Vokabeln der menschlichen Sprache beigebracht hatte. 

Sie nahm allem Mut zusammen, tauchte ihre Schwanzflosse noch einmal tief in das salzige aber warme Meerwasser, spürte die Vertrautheit und nahm allen Mut zusammen und schwamm zu dem Perlentaucher. 

Dieser hatte gerade tief auf dem Meeresboden eine große Muschel gefunden, konnte sie aber aus irgendeinem Grund, was Henrietta nicht verstand, nicht mit an die Wasseroberfläche nehmen. Geschwind griff sie zu der Muschel und nahm auch noch eine 2.,3. und 4. gleich mit nach oben.

Schnell war sie auf gleicher Höhe mit dem Perlentauchen, der sich sichtlich erschrak und dabei fast das schwimmen vergaß. Henrietta packte ihn und schwamm mit ihm zu den Klippen. 

Als der Perlentaucher wieder zu sich kam. Hörte er einen lieblichen Gesang und mit zarter, sanfter Stimme erzählte Henrietta wer sie war und woher sie kam. Dann gab sie dem Perlentauchen der gesammelten Muschel, dieser freute sich sichtlich, denn welch Wunder war ihm widerfahren -  er konnte es kaum glauben – auf dem Schoß einer wunderschönen Meerjungfrau zu erwachen.

Er hatte schon viele Geschichten über sie von den alten Dorfbewohnern gehört, oft waren diese dramatisch und Sagenumwogen geschildert worden. Das was er jetzt erlebte war eher wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht – einfach traumhaft schön. Er spürte ein warmes und wohlwollendes Gefühl und lies sich es einfach geschehen.

So kam es das sie übersprühend von Fragen fast gleichzeitig redeten und alles wie ein Sommergewitter auf sie hernieder fiel. Bei all der gegenseitigen Neugier bat Henrietta den Perlentaucher einen Moment zu warten, tauchte ins Meer und suchte eine große verlassene Meeresmuschel.

Sie nahm diese mit an die Oberfläche und gab sie dem Perlentaucher mit den Worten einmal hineinzuhören. Der Perlentaucher hörte das Meer rauschen. Das ist gut so und wenn Du meinen Gesang hörst, dann sollten wir uns wieder hier treffen um die vielen Fragen zu klären, bis dahin überlegt dir genau was du mich fragen möchtest, denn ich darf nur 7 Fragen beantworten und auch nur 17 Minuten bei dir bleiben.

Oh – wie soll ich das gehen – wo es doch so schön paradiesisch in ihrer Gegenwart ist, dachte der Perlentaucher.

Henrietta dagegen wusste, das sie eigentlich nur eine Frage dem Jüngling stellen wollte – nämlich das Geheimnis der Glaskugel. So verabschiedete sie sich von dem Perlentaucher und verschwand im Meer.

Der Perlentaucher machte sich auf den Weg ins Dorf und umschloss fest das Geschenk.

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