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Eine
Geschichte ist eine Geschichte, die uns manchmal etwas über das
Vergangene erzählt, manchmal berichtet sie uns von Dingen die uns
in der Zukunft begegnen werden und mal ist sie die Gegenwart. Und
manchmal erinnert uns eine Geschichte an uns selber und mal an
eine andere Geschichte. Es
war einmal ein junger Mann, der hieß Alexander Calder und er
lebte in einer dieser großen Städte die unser Land hat. Er genießt die wohlige Wärme der Sonne. Unwillkürlich denkt er dabei an früher. Früher ging er als kleiner Knirps mit seinen Eltern, später dann mit seinen Freunden, ins nahe gelegene Schwimmbad. Da lag er dann auch immer genau so da. Am liebsten im Wasser! Da schwebte er dahin, auf dem Rücken liegend, umgeben von einem plätschernden Ozean. Getragen wird er von zwei fetten orangenen Bojen die seine kleinen Ärmchen umfassen. Seinen Kopf hat er halb ins Wasser getaucht. Um ihn herum sind nur gedämpfte murmelnde Stimmen, die mit der Zeit wie Musik in seinen Ohren erklingen. Er schwebt und segelt ganz frei durch die Meere seiner kleinen unendlich freien Welt. Eine sonnig warme Brise weht wieder durch seine Wohnung und streichelt seine Haut. Mit diesem Gefühl, und der Vorstellung, dass sein Teppich ein tropischer Sandstrand ist und seine Wohnung ein pinienbewachsener Küstenstreifen im südlichen Pazifik, sinkt Alexander Calder, an diesem Sommertag, auf seinem Teppich, in einen unvergesslichen Traum. Im selben Moment wie er einschläft, setzen sich 2 weiße Tauben auf die Dachrinne direkt über seine weit geöffnete Balkontür. Tauben lieben solche Orte. Hier sind sie ungestört. Außerdem lieben sie die Abwechslung. Denn mal schauen sie sich die Gegend aus einem Baum an, mal vom Bürgersteig und mal von hier oben. Und jedes Mal sieht die Taubenwelt ganz anders aus. Und
kaum sitzen die Beiden am Rand der Rinne, da fragte die eine
Taube: „Und? wie geht’s wir
jetzt, so nach dem ersten Mal?“ „Ganz ok, werde mich schon
dran gewöhnen“, sagte die andere
und turtelte mit Ihrem Kopf von links nach rechts. „Ganz ok,
hört sich gut an“ klang es
wie ein Echo und die andere Taube schaukelt auch mit ihrem Kopf
hin und her. „Nun, immerhin
war es doch ganz nett.“ Darin waren sich beide einig. Ja, es war
ganz nett. Auch wenn
der neue Job für jede Taube gewöhnungsbedürftig ist. Inzwischen
ist Alexander schon weit in sein Reich der Träume vorgedrungen. Heute
hat er eine Orgel in seiner Werkstatt die erst auf dem zweiten
Blick ihre Schönheit entfaltet.
Sie ist aus feinem, gemasertem, dunkelrotem, edlem Kirschbaumholz.
Die wunderbaren
zierlich geschnitzten Intarsien erzählen die Geschichte eines
jungen Mädchens.
Sie macht sich auf den Weg das Wirkliche, das Wahre in der Musik
zu finden. Finden
tut sie Orpheus und - die Liebe. „Na,
dann stände ich auf einer großen tollen Bühne, mitten im
Scheinwerferlicht. Ich wäre auf Hochglanz
poliert und ganz groß und ganz schwer. Das Publikum würde mich
lieben und flüstern,
„was für ein unglaublich schönes Klavier.“ „Mmmmh“
brummt die Orgel nachdenklich. Wissen Sie, ich glaube ich wäre
dann doch lieber eine
Geige.“ Und
die Orgel fängt an eine Geige zu beschreiben. Aufgewacht
ist Alexander von dem Hochzeitsgehupe aus der Nebenstraße. Mit
geschlossenen
Augen lauscht er diesem Konzert, das jetzt in seinen Ohren klingt
wie die Fanfaren
der 1000 Trompeten aus dem Innersten einer alten Orgel. In
diesem Moment hört er den klatschenden Flügelschlag der
wegfliegenden Tauben. Im nächsten
Augenblick segelt eine kleine weiße Feder durch die offene
Balkontür auf ihn zu. Wie
sanft sie schwebt, denkt er. Wie an Marionettenfäden geführt,
mal links mal rechts hochgezupft.
So segelt diese weiße Feder in einem magischen Rhythmus, der
durch die Handbewegungen
eines unsichtbaren Dirigenten geführt wird, immer weiter auf ihn
zu. In
Zeitlupe landet die Feder schließlich sanft auf seinen Bauch. Er fühlt sich gut und so kräftig wie ein Löwe, elegant gewachsen wie eine Lilie und treu sich selbst gegenüber wie ein Ritter des heiligen Grals. „Danke“ sagt Alexander mehr leise gehaucht als gesprochen, denn sein Dank sollte ja das Universum erreichen. Ich
fragte aufgeregt meinen Freund: „Und? Wie ging es mit Alexander
weiter?“
© Michael Bala Mai 2009
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