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Metapherngeschichten

Eisstern

 


Der verbotene Wald

Gerne erinnere ich mich an die kostbare Zeit mit meiner Großmutter. Wir liefen oft stundenlang am Meer entlang, hörten den Möwen zu und  rochen den fischhaltigen  Duft des Meeres. Wir spürten den knirschenden Sand unter den nackten Füßen und schmeckten das Salz der frischen Luft. Ich fühlte mich geborgen, geliebt und frei. Oft zündete meine Großmutter abends am Strand ein Feuer an. Dort setzten wir uns nieder und rückten ganz nah zusammen. Als die Sonne in ihrem Purpurrot vom Horizont verschwinden wollte und sehnsüchtig nach dem Mond Ausschau hielt, begann meine Großmutter seltsame, abenteuerliche, ja faszinierende Märchen zu erzählen. Während ich so dasaß und ihre Nähe spürte, hörte ich das Knistern des Feuers, umarmt vom Rauschen des Meeres. Ich sah die Funken sprühen, die der vollen Feuersbrunst entwichen. Gebannt schaute ich in die Tiefe des Feuers und folgte gemächlich seinen wild tänzelnden Funken, die dem Himmel entgegenstrebten. Angezogen von dem wilden Spiel hob ich langsam meinen Kopf und entdeckte viele funkelnde Sterne am Himmel. Das Rauschen des Meeres, getränkt mit der Ankunft der Nacht, löste mich von meinen Gedanken und öffnete gänzlich mein Herz. Ich lauschte gebannt der sanften, tiefen, schwebenden Stimme.

Es war einmal....

„Es war einmal vor langer, langer Zeit ein ganz besonderes Pferd. Es lebte in der Nähe eines verzauberten Waldes. Dieser Wald schien nicht besonders einladend, da seine Bäume keine Blätter trugen und er braun vor sich her starrte. Es war der Wald der Skepsis. In diesem Wald war der Konflikt verborgen. Der Konflikt der neuen Methode und der alten Ideale. Von jeher war es dem Pferd verboten, diesen Wald zu betreten. Das kräftige Pferd liebte es im Sommer zu reiten und fühlte sich unbeschwert. Manchmal kämpfte es sich durch unwegsames Gestrüpp,  um genüsslich wilde Erdbeeren zu fressen.

 Eines Tages, als es ungestüm am Wald vorbeiritt, roch es etwas, was es in seinem Leben noch nie gerochen hat. Es roch salzig und doch wieder nicht. Aber es roch nach Freiheit und das Pferd fühlte sich von dem seltsamen Geruch angezogen. Voller Erschrecken erkannte es, dass dieser begehrte Geruch aus dem verbotenen Wald kam. Vorsichtig näherte es sich dem Wald. Plötzlich tauchte Nelson Mandela vor ihm auf und fragte“: Möchtest du eine neue Technik erlernen, die nicht nur dich frei macht?“ Das Pferd hatte seine Ideale, die eigene Meinungsfreiheit der anderen war ihm sehr wichtig. Doch stiess es oft mit seiner Meinung auf mangelndes Mitgefühl. Konnte er mit der Technik manipulieren oder nicht?  Und schon befand es sich im inneren Konflikt. „Willst du dem Neuen folgen, neue Techniken erlernen? Was ist mit deinen Idealen? Widerspricht das Neue nicht dem Alten? Ist nicht nur der Wald voller Skepsis, sondern die Landschaft, die in dir lebt?“.  Während das Pferd überlegte, befand es sich mitten im verbotenen Wald. Es war starr vor Angst. Suchend blickte es sich um und entdeckte eine rote Rose mitten in dem kargen Wald. Ein Kind kniete sich nieder, brach die Rose und näherte sich sanft lächelnd dem Pferd. “Du bist bei mir im Wald?“, fragte das Kind leise. „Aus welchem Grund bist du hier?“ Kaum hatte das Kind das ausgesprochen, fiel das Pferd in einen tiefen Schlaf und begann zu träumen.

Es träumte, es wäre ein Hund und lief an einem hellen blaugrauen Strand am Meer entlang. Die Bäume, die an Land wuchsen, waren grün und kräftig. Sie wirkten irgendwie lebendig.

Als er die Bäume unter dem bedeckten Himmel näher betrachtete, sah er seine kräftigen, lebendigen Ideale, die wohl gesättigt vor ihm lagen. Er genoss zufrieden die Landschaft, als plötzlich sein Blick auf ein zierliches Gänseblümchen fiel. Während er es sich genau anschaute, sah er, wie die Idee der neuen Technik in ihm wuchs. Auf einmal krachte es laut und, anstatt der Bäume standen die Bremer Stadtmusikanten vor ihm. Es bot sich ihm ein  schauriges Bild: Ein Hahn saß auf einer Katze, die Katze auf einem Hund und der Hund auf einem Esel. Und alle grölten das Lied „Ciau Bella“.

 Erschrocken wachte das  träumende Pferd auf und schaute direkt in die tiefen, ruhenden  Augen des Kindes. Das Pferd sah das Kind aufmerksam an und fragte: „ Ich weiß, du meinst es gut mit mir. Sag mir, warum willst du, dass ich in deinem Wald verweile?“.  „Ich will, dass du genau weißt, was du tust.“ ,antwortete das Kind. „Aber, wie könnte ich das erreichen?“ ,fragte das Pferd. „Indem du dir umfangreiches Wissen aneignest und es dir  verinnerlichst, um die Technik richtig anzuwenden.“ Das Pferd war nach kurzer Überlegung davon überzeugt, dass es einrichten könnte, die neue Technik zu erlernen. Dann sprach das Kind weiter: „Du besitzt genug Intelligenz, um dir das Wissen anzueignen, das du brauchst. Dein liebevoller Umgang mit dem Leben und deine Achtung vor der Persönlichkeit schützen dich.“ Mit diesen Worten verschwand das Kind und das Pferd  war allein. Es redete mit sich selber über sein wohlgeformtes Ziel. Während es gedankenreich auf den Boden schaute, dachte es an Nelson Mandela. Auf einmal schaute es empor und sah sich als Peter Pan schwebend, über einer satten, grünen Landschaft. Sehnsüchtig schaute es auf die Vielfalt von Blumen, Wiesen und Bäumen. Das Pferd sah, wie Peter Pan an diesem angenehm warmen, frühlingshaften Tag, voller Sonne sanft auf der reichhaltigen Wiese landet und auf ihr genussvoll rennt. Eine wundervolle Geigenmusik erklingt leise und Peter Pan sieht fröhlich, frei, offen, ja, sogar ausgelassen aus. Die Luft ist getränkt von dem Duft des Frühlings und hätte das Pferd dem Bild einen  Geschmack zufügen können, so würde es nach  leckerem, grünem Salat schmecken. „Ja, grün wäre es“, hörte sich das Pferd sagen,“ grün und das Zeichen des Sieges“. In sich gekehrt schaute das Pferd nieder, bis es lustig in seinem Ohr kitzelte. „Geh in dein wundervolles Bild hinein“, sprach ein bunter, flügelschlagender Schmetterling,“ und genieße deinen Traum.“ Kaum hatte das Pferd diese leichten Worte vernommen, schlüpfte es in seinen Traum und war ganz Peter Pan mit all seinem Erleben. Die Farben wurden noch leuchtender, der Geruch intensiver und die Musik spielte sich gänzlich in sein Herz. Es sah, hörte und roch all das, was es sich kurz zuvor vorgestellt hatte.

Wieder fragte sich das Pferd: „Sieht alles richtig aus, hört es sich gut an, gibt es noch irgend etwas zu bedenken?“.  “ Die Macht des Wissens“, lächelte es in sich hinein. Als es aufblickte, bemerkte es, dass es sich in seiner gewohnten Umgebung befand, nahe dem verbotenen Wald. Nur diesmal schaute es liebevoll, wissend zu diesem verzaubernden Wald.“

So schloss meine Großmutter ihr Märchen und ich denke noch oft an diese wundersame Nacht am Meer. 

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